Archiv der Kategorie: Pflanzenportraits

Was wächst da?

Ein edler Name: Königskerze. Muss man sich erst mal verdienen. Die Pflanze wurde oft, mit Pech und Harz bestrichen, als Fackel verwendet. Und hat vielleicht Königen als Kerze gedient.

Ich finde besonders die Schwarze Königskerze wunderschön. Welch eine Blüte! Apropos blühen: Es blühte einem Verstorbenen das Fegefeuer, wenn eine Königskerze auf dem Grab wuchs. Sagt eine Volksmär.

Die Samen sind giftig. Und wenn man die Fischen gibt, dann sind die betäubt und lassen sich leichter fangen. Meinte zumindest Aristoteles. Viele Mythen gibt es zur Pflanze. Noch eins: Wer sie ausreißt, wird vom Blitz erschlagen, heißt’s in Bayern. Jo mai, selba Schuid! 

Was wächst da?

Bald ist es soweit, dass es im Schaugarten grünt und blüht. Z.B.:

Muskatellersalbei – eine schöne heimische Pflanze. Nicht nur ich schätze sie, sondern geschätzt aber- und zigtausende von Bienen. Und das ätherische Öl ist ein wahrer Schatz! Wahr ist aber eher nicht, daß Aphrodite der Pflanze den Duft schenkte. Sie soll sich vor Zeus unter einem Salbeistrauch versteckt haben. 


Wahr ist aber schon, dass in der griechischen und römischen Antike Blüten und Blätter gegen Kopfschmerzen gegessen wurden. Seltsam, denn wenn dieser Salbei Wein oder Bier zur Verbesserung des Geschmacks zugefügt wurde, gab es einen enormen Kater.


Was man der Pflanze so alles zuschrieb: (viel)leicht aphrodisierend, leicht euphorisierend, angstlösend, krampflösend, wer weiß. Wie auch immer: Bitte lassen Sie die Pflanzen im Schaugarten stehen. Aber pflanzen Sie ihn doch auch in Ihren Garten. Schon der Anblick ist euphorisierend. 

Baum des Jahres 2021

Tatatata! Baum des Jahres 2021 ist: die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium)!  Oft trifft man sie auch als Strauch an, wenn man sie mal antrifft. 


Es trifft sich gut, dass dieser Baum jetzt geehrt wird, denn er ist was Besonderes: immergrün, mag Halbschatten, in seinem Geäst nisten gerne Vögel, hier überwintert häufig der Zitronenfalter, die Früchte hängen den ganzen Winter und verderben nicht (und erst der Frost macht sie weich und für Vögel essbar).


Auch wenn es reizt, Zweige mit den roten Beeren als Weihnachtsschmuck zu nutzen, bitte tun Sie es nicht. Die Stechpalme ist bei uns besonders geschützt. Früher, als es mehr Stechpalmen gab, konnten sie auch besser genutzt werden, z. B. das Holz für Intarsien, belaubte Zweige zum Reinigen des Schornsteins, die giftigen Früchte nahm man ein für oder gegen Allerlei. Besonders Letzteres ist nicht zu empfehlen. 


Wenn Germanen und Kelten schon den Baum verehrten, dann sollte er auch bei uns wieder mehr Beachtung finden. Finde ich. 

Ist die Wilde Karde wild?

Die Wilde Karde – ein abenteuerlicher Name für eine spannende Pflanze. Ihr griechischer Name “Dipsacus“ leitet sich von „Durst“ ab. Warum? In den Blattachseln sammelt sich nach Regen das Wasser. Das können nun Vögel oder Wanderer trinken. Aus Achseln trinken? Und – ih, manchmal sind in dem „Achselwasser“ gar Fliegenlarven. 
Ein anderer Name der Karde ist Venusbad. Wenn Mädchen sich mit den Wasser waschen würden, würden sie wunderschön. Ein paar wunderhübschen Frauen bin ich schon begegnet. Um die Wirkung des “Venusbades“ aus rein wissenschaftlichen Interesse verifizieren zu können, hätte ich mal nachfragen sollen. Vielleicht so: „Waschen oder wuschen Sie sich eigentlich mit Achselwasser?“ Aber ich hab‘ mich nie getraut, denn Schönheit macht mich sooo verlegen.

Hundsgemein

Mit Hilfe der Färberkamille konnte man Textilien gelb färben. Finde ich schön. Dass die Pflanze aber auch Hundskamille heißt, finde ich hundsgemein! Viel schöner klingt der griechische Name: Anthemis tinctoria, das ist eine Kombination aus anthos (Blüte) und Artemis, der griech. Göttin der Jagd, der Wälder, der Frauen und Kinder. 

Artemis mochte keine Männer. Einer hat sie mal beim Baden beobachtet. Sie verwandelte ihn in einen Hirsch, den dann die eigenen Hunden zerrissen. Auch hundsgemein!