Archiv der Kategorie: Pilzportraits

Zinnoberroter Pustelpilz

Was Schlauchpilze betrifft, das steh‘ ich auf dem Schlauch. Zumindest weiß ich, dass das der Zinnoberrote Pustelpilz ist. Er gibt sich meist mit totem Holz zufrieden.
Erstaunliches erfährt man zu Schlauchpilzen: Als Trüffel und Morcheln mag man sie, 
aber machen sie Krankheiten bei Pflanzen, Haustieren und Menschen, dann mag man sie nicht. Helfen sie uns, Käse, Brot, Wein, Bier oder Penicillin herzustellen, sind sie wieder die Liebsten.  
Schlauchpilze können lebende und tote Biomasse mit Enzymen zersetzen. Manche dieser Pilze befallen Insekten und verwandeln sie in Zombies. Andere Schlauchpilze gehen eine Symbiose mit Bäumen ein. Manche können Kunststoff oder Kerosin zersetzen. Oder andere gehen eine Partnerschaft mit Algen ein und bilden Flechten. 
Pilze sind Lebensformen mit tierischen und pflanzlichen Eigenschaften. Und (für mich) irgendwie schwer zu verstehen.

Kuriose Pilze

Ich kenne mich mit Pilzen nicht gut aus. Ich will Ihnen da nichts verzapfen, aber ich glaube, das sind Fichtenzapfenhelmlinge. Oder doch Fichtenzapfenrüblinge? Beide haben sich zur Aufgabe gesetzt: „Wir zersetzen abgefallene Fichtenzapfen!“ Vornehm ausgedrückt würden sie sich Destruenten nennen, d.h. Zerstörer, Aufräumer und Abbauer. Sie zerlegen totes organisches Material.
Hätte ich mal an den Pilzen gerochen, ich hätte sie unterscheiden können. Hätte hätte Fahrradschlauch! Der Helmling würde nämlich chlorig riechen (und rettichartig schmecken). Das macht ihn nun wirklich nicht zu einem Speisepilz. Dagegen ist der -Rübling essbar. Und riecht auch nicht nach Schwimmbad.
Satt macht der kleine -Rübling kaum. 
Ach, dann gibt es noch den Mäuseschwanzrübling auf Fichtenzapfen. Ah lecker! Nein, Spaß! Schon der Name hält mich nämlich vom „Genuss“ ab. Ach, ich lass die -Rüb- und Helmlinge einfach ihre Arbeit machen!

Ja, was ist das denn?

Der Schmetterlings-Porling (-Tramete) ist sicher ein Kosmopolit, so weit verbreitet wie er ist. Dagegen bin ich ein lächerlicher Endemit. 


Dieser Pilz hat ein tolles Farbspektrum. Er zersetzt hauptsächlich totes Holz. Zum Verzehr ist er nicht geeignet, er gilt aber in der traditionellen chinesische Medizin als Heil- und Vitalpilz. Er soll das Immunsystem stärken, wird gar als Krebsmittel gepriesen und in v.a. Japan massiv gekauft. Ich bin da skeptisch, habe dazu nur von einer kleinen Studie gelesen. Schade, schade, wenn das viele Hoffnungen weckt und noch nicht einmal richtig gut wissenschaftlich untersucht ist. Wobei: Zutrauen würde ich dem Pilz und Pilzen allgemein schon viel. Und nicht nur Berauschendes und Vergiftungen. 😉 

Ja, was ist das denn?

Das Judasohr: ein mythologisch – mykologischer Exkurs.

Zuerst einmal: Judas tut mir leid, er hatte eine vorbestimmte, nicht von ihm gewählte Rolle zu erfüllen. Auch Judas tat sein Verrat leid. So sehr, dass er sich an einem Holunder erhängt. Und hier kommen mir botanische Bedenken: Holunder bricht leicht, das dürfte jeder, der ähnliches wie Judas versuchte, bestätigen können.

Und meine weiteren Bedenken? 1. Das Judasohr ist ein guter Speisepilz. Aber kann Gott wollen, dass man Ohren isst? 2. Was muss Judas für ein Hautkolorit gehabt haben, die Ohren sind ja seltsam gefärbt. 3. Am Holunder wachsen oft viele Judasohren, Judas hatte aber nur zwei. Zumindest ist eine andere Anzahl nicht überliefert. Ich kann das nicht klären, sorry. Vielleicht haben Sie ja eine Idee dazu? 

Das Judasohr findet man (noch) nicht im Schaugarten, vielleicht, wenn unser Holunder älter wird.

Ja, was ist denn das?

Sie sind unter uns! Längst! Eine Lebensform, nicht Tier noch Pflanze: Schleimpilze. Pilze sind sie aber auch nicht. Eher wie Amöben, die einen Verbund zu einer großen Zelle bilden und sich irgendwie schneckenartig fortbewegen kann. Und nur die Zellkern teilen sich alle 8 Stunden. 


Das „Alien“ auf dem Bild hat sich zu einem Klumpen zusammen gezogen. Es ist ihm zu trocken. Es hat jetzt die Wahl, unter Erde oder Rinde zu verschwinden und auf feuchteres Wetter zu warten. Oder einfach auszutrocknen. Wird es wieder feucht, erwacht es wieder zum Leben. 
Man sagt auch „intelligenter Schleim“ zu ihm, denn es kann Dinge, die `ne Schleimsuppe nicht hinbekommt: gezielt sich fortbewegen, untereinander „kommunizieren“, identische Schleimpilze können verschmelzen, uvm. So unheimlich ist das Wesen, dass man gar Hexenbutter dazu sagt. Echt wie verhext, das Wesen.

Gesehen hab` ich dieses Wesen noch nicht im Schaugarten. Aber, wer weiß.