Arbeitskreis Naturnahes Grün
Mitglied in der Lokalen AGENDA Mainz

- Naturschaugarten Lindenmühle in Mainz
- Ein Artenschutzprojekt
- von Bürgern für Bürger

Die Größe der Raupe des Windenschwärmers raubt uns den Atem. Sie ist mit 12 cm eine der größten Mitteleuropas. Mitte Oktober bremste sie unsere Radtour im Elsass ab, beinahe hätten wir sie überfahren. Aber, wie ich aus Berichten erfahre, hat sie kaum Chance, den Witter zu überstehen, zu spät verpuppt sie sich in einem hühnereigroßen Loch, das sie gräbt. Wie traurig!
Diese Schmetterlingsart fliegt im Sommer aus dem Mittelmeerraum oder gar aus Afrika zu uns. Sie können Spitzengeschwindigkeiten von 100 km/h erreichen, im Schnitt aber etwa 50 km/h. Beachtlich!
Der Nachtfalter ernährt sich vom Nektar vieler Blüten. Die Raupen bevorzugen Windenarten. Wenn sie sich früh verpuppen und überleben, dann können als Falter über die Alpen in der Süden fliegen. Dann drücke ich mal die Daumen!
Süße kleine Ackerhummel auf Nektar- und Pollensuche. Eigentlich kehrt sie viel lieber bei der Weißen Taubnessel, bei der Vogel-Wicke, beim Wiesen-Klee oder beim Kriechenden Günsel ein, aber jetzt im Oktober haben manche keinen Ausschank mehr. Die Schwarze Königskerze hat noch geöffnet. Und die kleine Hummel packt sich bei ihr noch zwei eiweißhaltige Pollenpakete ein. “Höschen“ nennen das (nicht nur) die Etomologen.
Die Schwarze Königskerze ist eine Augenweide! So viele filigrane Blüten! Die werden zu Kapseln mit ordentlich viel Samen, bis zu 60 000 pro Pflanze, die vorwiegend der Wind oder ich (oder Sie?) verteilen.
Meiner Meinung nach nimmt die zwei- oder mehrjährige Staude aber nicht überhand, sucht sich eher da und dort eine Lücke. Samen am besten im Herbst verstreuen, sie sind Lichtkeimer und brauchen Frost. Macht die Pflanze ja auch genau so.
Das bunte Wunder können Sie aber erst im zweiten Jahr erwarten, im ersten Jahr bildet sich nur eine Blattrosette mit dunkelgrünen Blättern. Aber: Das Warten lohnt sich!
Einmal im Jahr im Spätsommer oder Herbst, wenn die Hauptblütezeit vorbei ist, die Tiere Nachwuchs bilden konnten und die Samen der Gräser und Blumen gereift sind, wird ein großer Teil der Wiesen am Naturschaugarten gemäht. Das macht nach unseren Wünschen der Mainzer Wirtschaftsbetrieb, denn diese Flächen gehören der Stadt und sind auch als Versickerungsflächen für Quellwasser aus Bretzenheim geplant, das derzeit leider versiegt ist.
Wiesen müssen ab und zu gemäht und abgeräumt werden, um einen Gehölzaufwuchs zu unterbinden und den Artenreichtum in der Wiese zu fördern. Das Mähen schafft wieder gleiche Lichtbedingungen für alle Pflanzen und das Abräumen des Mahdguts entzieht dem Boden Nährstoffe und erhöht so die Chancen für schwächere Arten, die sonst von den Nährstoffprofiteuren bedrängt werden.

Wir lassen – wie heutzutage im Naturschutz üblich – immer einige Wiesenbereiche ungemäht, damit in diesen „Inseln“ Tiere besser überleben und (insbesondere in den hohlen Stengeln) überwintern können und einige Samenstände zum Aussamen verbleiben.
Wir danken dem Wirtschaftsbetrieb und Christoph Weinrich vom Arbeitskreis, der die Mahd koordiniert hat!
Glück und Traurigkeit liegen bei mir nahe beieinander. Gerade noch bin ich glücklich, den Hainlaufkäfer auf der Hand halten zu können, schon werde ich traurig, dass es immer weniger Insekten gibt.
Aber immerhin habe ich einen „Echten“ Laufkäfer in der Hand. Wunderschön schwarz glänzend, etwas violett, etwas rosa. Ich bin happy!
Ich verrate jetzt, weshalb sie dieses Tier auch lieben werden: Es frisst Nacktschnecken, sogar die Spanische Wegschnecke! Mahlzeit!
Der Nützling jagt auch Insekten und Raupen. Und, na ja, gelegentlich gibt es etwas Obst.
Schon bin ich wieder traurig, weil ich den Laufkäfer laufen lassen muss. Vielleicht laufen wir uns ja wieder über den Weg, denn er wird drei Jahre alt!
(Diesen Laufkäfer habe ich im Bergischen Land entdeckt.)