Arbeitskreis Naturnahes Grün

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Naturschaugarten Lindenmühle in Mainz
Artenschutzprojekt der Lokalen AGENDA 21
- von Bürgern für Bürger

Warum heißt denn …

das Habichtskraut Habichtskraut?

Diese wunderschöne heimische Pflanze hat den Gattungsnamen “Hieracium”, das leitet sich vom griechischen Wort “hierax” für “Habicht” ab. Nu, das erklärt ja nu mal gar nichts. Um mehr zu verstehen, muss man sich in die sagenhafte Sagenwelt begeben. Denn lt. der Legenden streichen sich Habichte mit dem Milchsaft der Pflanze die Augen. Damit sie besser sehen können! Ha, die sehen doch schon fast zehnmal besser wie der Mensch! Und haben eine Art „Superzoom“, um selbst kleine Beutetiere aus großer Höhe zu sehen.

Abgesehen vom Habicht hat der Mensch im Mittelalter die Pflanze für Augenkrankheiten, also, ich meine gegen diese genutzt.

Andere Sagen sagen, Habichte würden ihre Schnäbel an den Blüten schärfen. Ich sag dazu nichts mehr, ich halte den Schnabel.

Wieso heißt eigentlich …

die Weinraute Weinraute? Raute ist ja klar, ein Rautegewächs, aber Wein-? Das hängt wohl damit zusammen, dass die Pflanze so ähnlich wie Wein riecht. Und dass man früher manchmal versuchte, einen schlechten Wein damit zu verbessern. Vermutlich hat er dann wenigstens besser gerochen. Obwohl ich ja finde, dass sie nicht so tolle gut riecht.

In der römischen und griechischen Antike wurde die Weinraute als Gewürz- und Heilpflanze verwendet. Möglicherweise haben schon die Römer solche Pflanzen mitgebracht. Im Mittelalter hat gar Karl der Große eine Verordnung herausgegeben, nach der die Weinraute (und 72 weitere Nutzpflanzen) in allen kaiserlichen Landgütern anzupflanzen sei.

Die Weinraute findet man bei uns in Kräutergärten, in Weinbergen und im Schwäbischen Jura. Und natürlich bei uns im Naturschaugarten – am Duftpfad.

Weinraute kann man für deftige Gerichte, aber auch Süßspeisen verwenden. Und bei der Herstellung von Grappa wird sie ebenso genutzt. Die aus dem Mittelalter und der Antike überlieferte Heilwirkung ist abenteuerlich, ich gebe sie mal unkommentiert weiter: gegen Pest, bei Augenleiden und gegen den bösen Blick, gegen Verhexungen und beim Exorzismus, gegen Entzündungen, Warzen, als Wurmmittel, gegen Wassersucht, gegen Schlangenbisse und andere Vergiftungen und ganz ganz viel mehr. Die Pflanze galt als “Zauberpflanze”.

Vielleicht können Sie sich dem Zauber und der Schönheit dieser Pflanze auch nicht entziehen und finden eine sonnige Ecke für sie in Ihrem Garten. Etwas Vorsicht ist allerdings geboten: Bei Hautberührung und Sonnenschein kann es zu allergischen Reaktionen kommen (Photosensibilität).

Warum heißt eigentlich …

das Mannsblut Mannsblut? Schwierige Frage, aber ja, hat was mit Mann zu tun und mit Blut. Denn zerreibt man die Beeren, tritt eine (blut-)rote Flüssigkeit aus, die schon in der griechischen Antike für (blutende) Wunden verwendet wurde.

Die Pflanze gehört zu den Johanniskräutern. Und da gibt es auch eine passende Legende dazu. Der austretende rote Saft (Wirkstoff Hypericin, auch Johannisblut genannt) soll von Johannes dem Täufer stammen. Hatte sich der mal verletzt? Schlimmer, viel schlimmer! Herodes ließ ihn köpfen. Da hätte das Kraut auch nicht mehr geholfen. Gruselig!

Aber eine wunderschöne Pflanze! Das Bild aus unserem Naturschaugarten zeigt es: Blüte, Frucht und Blattfärbung sind oft gleichzeitig zu sehen. der immergrüne kleine Strauch blüht vom Juni bis August. Das Mannsblut mag es schattig, ist aber sonst nicht anspruchsvoll.

Johanniskräutern allgemein (weltweit 450 Arten) sagt man so allerhand nach. Sie seien antiseptisch, gut gegen Rheuma, gut für Herz und Nieren, gut gegen Lungenerkrankungen und Frauenleiden. Schon die Germanen hielten große Stücke auf die Pflanze. Nach deren Glauben stammte das Blut vom Sonnengott Baldur (Balder). Der ist verblutet durch eine Intrige, von Loki initiiert. Logisch. Ein vom blinden Bruder Baldurs abgeschossener Mistelzweig verletzt ihn tödlich. Eieiei! Bei den Göttern! Das macht man nicht!

Johanniskraut wird öfter genommen als Stimmungsaufheller und bei depressiven Verstimmungen. Unkritisch ist das nicht zu sehen, es sollte den Gang zum Arzt nicht ersetzen.

Vogel des Jahres 2020

ist die Turteltaube!

Schön, dass sie es gibt, steht sie doch für “frisch verliebt”! Und auch das kann sie noch bieten: Sie ist Symbol auch für den Frieden. Nun wurd` zum Vogel des Jahres sie erkoren, denn womöglich geht sie uns verloren!

Ich dichte mal nicht weiter, es wird ja doch nur ein trauriges Gedicht. Zumindest, wenn sich nichts ändert. In Deutschland ging der Bestand in den letzten 20 Jahren um fast 90 Prozent zurück. Das hat verschiedenste Ursachen. So fehlen wegen der industriellen Landwirtschaft immer mehr geeignete Lebensräume.

Die kleine Taube reist über den Winter nach Afrika. Dazu kann sie ohne Unterbrechung bis zu 700 km fliegen. Durch legale und illegale Jagd wird sie allerdings stark reduziert. Allein in der EU werden jährlich rund zwei Millionen Turteltauben getötet (lt. nabu). Vielleicht können Sie eine Petition dazu unterstützen? https://mitmachen.nabu.de/turteltauben-retten

Warum heißt eigentlich …

die Kuckuckslichtnelke Kuckuckslichtnelke? Zum Kuckuck! Tatsächlich fängt die Kuckuckslichtnelke zu Blühen an, wenn im Mai der Kuckuck “Kuckuck” ruft.

Und außerdem gibt es an der Pflanze oft eine schaumige Masse. Da man sich früher dies nicht erklären konnte und Übernatürliches dahinter vermutete, glaubte man, der Kuckuck, der im Volksglauben oft mit dem Teufel gleichsetzt wurde, sei Verursacher der weißen Schaumgebilde. Man sagte “Kuckucksspucke” oder Hexenspucke dazu.

Tatsächlich hat der Kuckuck nichts damit zu tun. Es sind die Schaumnester der Schaumzikaden, in denen die Larven leben.

Ich finde die Pflanze wunderschön. Sie ist einjährig, mag offene Böden. Vor 10 Jahren gab es die Kuckuckslichtnelke auch mal im Schaugarten. Wo zum Kuckuck* ist sie geblieben?!

*Das waren jetzt 11 Kuckucks! Respekt, oder?