Arbeitskreis Naturnahes Grün

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Naturschaugarten Lindenmühle in Mainz
Artenschutzprojekt der Lokalen AGENDA 21
- von Bürgern für Bürger

Was fliegt denn da?

Was fliegt da im April? Es ist die Märzfliege. Fotografiert von Jacques Simon. Man sieht sie oft in der Nähe von Gewässern, zumeist in Schwärmen. Sie ist ungefähr 10 mm groß, schwarz, glänzend, behaart, wirkt plump, weil sie im Fliegen die Beine runter hängt.


Sie wirkt erst mal nicht wie ein Sympathieträger. Und doch ist sie bedeutend für die Bestäubung von frühblühende Obstbäumen. Und stechen? Nein, tut sie nicht.


Die Märzfliege heißt auch Markusfliege. Denn meistens am Markustag (Ostersonntag) schwärmen just die Markusfliegen. Aber gut, an Ostern sind ja auch wir Menschen geselliger.

Was fliegt denn da?

Die Hain-Schwebfliege, meine liebste Fliege. Sie hat auch ein super Image: sieht attraktiv und unverwechselbar aus, hat unglaubliche Flugkünste und ist unglaublich nützlich. Sie lässt sich zudem leicht züchten für die Schädlingsbekämpfung.

Bei der Ernährung ist sie (anders wie ich 😊) nicht wählerisch. Männchen bevorzugen Nektar, Weibchen mehr Pollen, die Auswahl der Nahrungspflanzen ist riesig. Sie haben dadurch eine bedeutende Rolle bei der Bestäubung (anders wie ich 😊).

Jetzt ein Paar Eckdaten: Die Larve der Hain-Schwebfliege frisst einige Hundert bis über Tausend Blattlausarten, von über 200 verschiedenen pflanzensaugenden Läusearten! Sie packt Läuse, reißt sie hoch, sticht sie an, saugt sie aus. Trotzdem ihrer Fresssucht macht sie nur einmal Stuhlgang: direkt vor der Verpuppung. Man sieht: Verdauung wird oft überbewertet. Noch was Spannendes: Die Larve „atmet“ über das Hinterteil.
Die Schwebfliege verpuppt sich in der letzten Larvenhaut und schlüpft nach etwa einer Woche. Nach ein paar Stunden ist ihr Außenskelett ausgehärtet und sie fliegt los, bis 300 Flügelschläge pro Sekunde, kann in der Luft stehen, rückwärts fliegen, blitzschnell beschleunigen (bis zu dreifacher Erdbeschleunigung). Haben Sie schon mal eine Schwebfliege ferngesteuert: Einfach mal den ausgestreckten Zeigefinger bewegen, die Schwebfliege bleibt fast immer im konstanten Abstand!

Das Weibchen legt über 1000 Eier, wählt dabei gezielt junge Blattlauskolonien aus. In unseren Breiten sind 1 – 2 Generationen möglich. Schwebfliegen sind Migranten. Sie wandern fast vollständig aus dem Mittelmeerraum ein, manchmal wird gar das Mittelmeer gequert. Sie scheuen auch nicht Non-Stopp-Flüge von 400 km (z.B. auf die Färöer-Inseln. Kleines Tier, großes Wunder, nicht nur im Naturschaugarten. Aber leider deutlich weniger wie früher.

Warum heißt

das Lungenkraut Lungenkraut? Nun: Manch’  Lungenarzt sich vor manchen Lungen graut. Denn oft sind auch schon Junge krank, zu oft sind sie gar lungenkrank, die brauchen dann ‘nen Lungentrank. Geeignet ist das Lungenkraut, wenn man denn manchen Zungen traut, dass Hildegard schon angebaut das Lungenkraut und auch empfohlen hätte, jede Wette.

Heute landet es eher im Smoothie oder Salat, in Suppen oder Saucen und schmeckt “gurkig”. Also gut, es soll entzündungshemmend und hustenreizstillend sein, auch gegen Durchfall und Blasenschwäche helfen. Ich denke: Ist der Husten besser, passiert auch weniger bei schwachem Darm und schwacher Blase.

Wem es auf jeden Fall hilft, ist dieser Hummel. Und wunderschön ist diese heimische Pflanze auch!

Was fliegt denn da?

Dieser Großer Wollschweber ist schon früh im Jahr unterwegs. Im kolibriartigen Schwirrflug ist er schwer zu fotografieren. Hier hat es mir einmal geklappt. War er so lahm oder ich so schnell?

Bombylius major ernährt sich von Nektar, auf dem Bild nascht er gerade vom Scharbockskraut. Scharbock leitet sich von Skorbut ab, da man wg. Vitaminmangel früher die Blätter genutzt hat. 

Raffiniert, wie sich der Wollschweber fortpflanzt: Nach der Paarung legt “Frau Bombylius” die Eier vor die Nester der künftigen Wirte (Grabwespen oder Solitärbienen. Die geschlüpften Larven dringen in die Nester ein, fressen dort die Vorräte und später sogar die Larven. Grausame Welt. Dann verpuppen sie sich und Bombylius schlüpft ab März. Dafür, dass das Bild von 23.3. stammt, erscheint er mir schon ziemlich erwachsen. Und so wie er abschwirrte, hatte er auch schon genug Flugstunden.

Warum heißt …

das gelbe Grindkraut Grindkraut (Gelbe Skabiose)?

Ich habe mal den Google-Übersetzer bemüht. Der hat Skabiose als „lettisch“ erkannt und ins Deutsche übersetzt. Und behauptet, das hieße „in den Arabern“. Das ist natürlich Unsinn. Ich denke, da ist Google mit seinem Latein am Ende. »Scabiosa« kommt aber wirklich aus dem Lateinischen.  „Scabere“ bedeutet kratzen. Denn die Pflanze wurde als Mittel gegen Ekzeme verwendet. Man machte dazu einen Breiumschlag aus frischen Blättern. »Scabies« ist nämlich die Krätze, auch Grind genannt. Das Jucken erzeugt einen Wundschorf (auch Grind genannt). Aber ich glaube aber, das juckt Google nicht.

Ich und Bienen und Schmetterlinge lieben die wunderschönen bläulich-lilafarbene bis violette Tauben-Skabiosen (Scabiosa columbaria) und die Gelben Skabiosen (Scabiosa ochroleuca, auf dem Bild mit dem Kleinen Kohlweißling). Beide Formen blühen von Juni bis September. Sie finden beide Formen im Naturschaugarten Lindenmühle. Und mich und Bienen und Schmetterlinge.