Arbeitskreis Naturnahes Grün

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Naturschaugarten Lindenmühle in Mainz
Artenschutzprojekt der Lokalen AGENDA 21
- von Bürgern für Bürger

Was fliegt denn da?

Schlank, unverwechselbar, friedfertig, Wespentaille! Gemeint ist NICHT Brigitte Bardot. Ich beschreibe die Gallische Feldwespe. Und die hat noch weitere Besonderheiten (die B.B. nicht hat). Teilweise orange gefärbte Fühler und Beine. Und sie lässt die Hinterbeine bei Fliegen hängen. Unverwechselbar zu anderen Wespen (Vielen Danke an Jack Simon für das Bild!).

Noch was! Kennen Sie eigentlich Geschichten von Royals? Seltsam, die Königshäuser! Aber lange nicht so wie bei den Jungköniginnen dieser Wespenart. Die bauen sie erst zusammen ein Nest. Und dann werden alle bis auf eine degradiert zu Arbeiterinnen. Krass!

Feldwespen sind gute Jäger von Insekten, manchmal gar von kleinen Spinnen. Aber auch Nektar wird nicht verschmäht. Dabei übernehmen sie Bestäubungsarbeit. Richtig nützlich. Da könnten sich die Royals mal ein Beispiel nehmen! Im Nützlichsein.

Was fliegt denn da?

Es war Anfang April ein Schauspiel sondergleichen: An einer unscheinbaren Ecke im Naturschaugarten mit wenig Vegetation war am meisten los. Während (s. Bild) Graue Sandbienen sich Bruthöhlen gruben, lauerten bereits Rothaarige Wespenbienen darauf, ihre “Kuckuckseier” reinzulegen. Die Wespenbienen riechen scheinbar gar die Wirtsnester. Und die sind zumeist die der Sandbienen.


Zeitgleich schwirrte der Große Wollschweber wie ein Kolibri über dieser Szenerie und warf immer wieder mit einem Ruck seine Eier ab. Soweit ich weiß, treffen die geschlüpften Larven keine Auswahl, sie machen sich erst über das Futter und dann über die Larven der Solitärbienen her. Egal ob Wespenbienen oder Sandbienen.


Die Insektenwelt ist abenteuerlich, spannend, wild, unvorstellbar vielschichtig. Und überhaupt nicht langweilig. Leider spielt sich viel im Kleinen ab und Füße zertrampeln oft Wertvolles. Oft ohne zu bemerken, was für Wunder zu seinen Füßen stattfinden.

Was krabbelt denn da?

Wer denkt, er müsse nach Afrika reisen, um mal Rüsseltiere zu sehen, der irrt. Die gibt es auch hier. Wie z.B. diesen Rüsselkäfer. Er heißt Rotbrauner Apfelfruchtstecher. Aber auch er irrt: Ich bin nämlich kein Apfel.


Etwa 950 Rüsselkäferarten gibt es in Deutschland. Rüsselkäfer sind wahrscheinlich die artenreichste Familie aller Lebewesen. Trotzdem fallen sie kaum auf, sind ja auch sehr klein. Das haarige Etwas, worauf er rumturnt, ist mein Unterarm.


Man sollte Unterarme nicht in Nahaufnahme zeigen dürfen, ihh! Da ist ja der Käfer schöner! Obwohl Käfer auf der Haut die Haut auch nicht schöner macht. Das haut nicht hin.

Was krabbelt denn da?

Stellen Sie sich mal einen Viehzüchterverband vor,  der Kühe in die Nähe seiner Bewohnung schleppt, damit er sich gut um sie kümmern kann. Dann setzt er alle Kühe auf Bäume, sind die “abgegrast”,  schafft er die Kühe auf andere nahe Bäume. Will jemand die Kühe fressen oder aussaugen, wird der Viehzüchterverband sauer und kämpft tapfer gegen die Räuber. Logisch, die Kühe sind dem Verband ja sein Ein und Alles. Denn man kann die Kühe so gut melken! Ein bisschen berührt und schon geben sie freiwillig einen süßen Saft ab.


Unsinn? Ein Märchen? Weit gefehlt! Denn genauso (also fast so) machen es die Schwarzen Wegameise. Die stehen total auf süß, ich kann das nachvollziehen. Ihr Viehzeugs sind Blattläuse, gemolken wird der “Honigtau”, durch Befühlen, Betatschen rücken die das Süße freiwillig raus (vermutlich, um nicht an Diabetes zu versterben 😉).


Das Bild ist von J. Simon. Tolle Aufnahme, besten Dank!

Was fliegt denn da?

Was fliegt da im April? Es ist die Märzfliege. Fotografiert von Jacques Simon. Man sieht sie oft in der Nähe von Gewässern, zumeist in Schwärmen. Sie ist ungefähr 10 mm groß, schwarz, glänzend, behaart, wirkt plump, weil sie im Fliegen die Beine runter hängt.


Sie wirkt erst mal nicht wie ein Sympathieträger. Und doch ist sie bedeutend für die Bestäubung von frühblühende Obstbäumen. Und stechen? Nein, tut sie nicht.


Die Märzfliege heißt auch Markusfliege. Denn meistens am Markustag (Ostersonntag) schwärmen just die Markusfliegen. Aber gut, an Ostern sind ja auch wir Menschen geselliger.