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Was krabbelt denn da?

Stellen Sie sich mal einen Viehzüchterverband vor,  der Kühe in die Nähe seiner Bewohnung schleppt, damit er sich gut um sie kümmern kann. Dann setzt er alle Kühe auf Bäume, sind die “abgegrast”,  schafft er die Kühe auf andere nahe Bäume. Will jemand die Kühe fressen oder aussaugen, wird der Viehzüchterverband sauer und kämpft tapfer gegen die Räuber. Logisch, die Kühe sind dem Verband ja sein Ein und Alles. Denn man kann die Kühe so gut melken! Ein bisschen berührt und schon geben sie freiwillig einen süßen Saft ab.


Unsinn? Ein Märchen? Weit gefehlt! Denn genauso (also fast so) machen es die Schwarzen Wegameise. Die stehen total auf süß, ich kann das nachvollziehen. Ihr Viehzeugs sind Blattläuse, gemolken wird der “Honigtau”, durch Befühlen, Betatschen rücken die das Süße freiwillig raus (vermutlich, um nicht an Diabetes zu versterben 😉).


Das Bild ist von J. Simon. Tolle Aufnahme, besten Dank!

Was fliegt denn da?

Die Hain-Schwebfliege, meine liebste Fliege. Sie hat auch ein super Image: sieht attraktiv und unverwechselbar aus, hat unglaubliche Flugkünste und ist unglaublich nützlich. Sie lässt sich zudem leicht züchten für die Schädlingsbekämpfung.

Bei der Ernährung ist sie (anders wie ich 😊) nicht wählerisch. Männchen bevorzugen Nektar, Weibchen mehr Pollen, die Auswahl der Nahrungspflanzen ist riesig. Sie haben dadurch eine bedeutende Rolle bei der Bestäubung (anders wie ich 😊).

Jetzt ein Paar Eckdaten: Die Larve der Hain-Schwebfliege frisst einige Hundert bis über Tausend Blattlausarten, von über 200 verschiedenen pflanzensaugenden Läusearten! Sie packt Läuse, reißt sie hoch, sticht sie an, saugt sie aus. Trotzdem ihrer Fresssucht macht sie nur einmal Stuhlgang: direkt vor der Verpuppung. Man sieht: Verdauung wird oft überbewertet. Noch was Spannendes: Die Larve „atmet“ über das Hinterteil.
Die Schwebfliege verpuppt sich in der letzten Larvenhaut und schlüpft nach etwa einer Woche. Nach ein paar Stunden ist ihr Außenskelett ausgehärtet und sie fliegt los, bis 300 Flügelschläge pro Sekunde, kann in der Luft stehen, rückwärts fliegen, blitzschnell beschleunigen (bis zu dreifacher Erdbeschleunigung). Haben Sie schon mal eine Schwebfliege ferngesteuert: Einfach mal den ausgestreckten Zeigefinger bewegen, die Schwebfliege bleibt fast immer im konstanten Abstand!

Das Weibchen legt über 1000 Eier, wählt dabei gezielt junge Blattlauskolonien aus. In unseren Breiten sind 1 – 2 Generationen möglich. Schwebfliegen sind Migranten. Sie wandern fast vollständig aus dem Mittelmeerraum ein, manchmal wird gar das Mittelmeer gequert. Sie scheuen auch nicht Non-Stopp-Flüge von 400 km (z.B. auf die Färöer-Inseln. Kleines Tier, großes Wunder, nicht nur im Naturschaugarten. Aber leider deutlich weniger wie früher.

Warum heißt der …

Speierling Speierling? Bedeutet nicht speien „sich übergeben, brechen, kübeln, reihern“? Wird mir also von Obst des Speierlings „speiübel“? Nein, im Gegenteil! Man sagt den Früchten nach, dass sie Erbrechen und Durchfall lindern könnten.

Ist das der Grund, warum man dem Apfelwein geringe Mengen der Speierlingfrüchte zusetzt? Apfelwein, zumindest, wenn man ihn übermäßig trinkt, führt ja meist zu Durchfall. Es wird gar behauptet, dass die Römer sich vor Apfelwein so grauten, dass sie deswegen den Limes im Taunus errichteten. Also ist es doch genial, dem Apfelwein Speierling-Obstsaft zuzufügen. Das lindert die gefürchtete übermäßige „Entschlackung“. Außerdem macht es den Apfelwein haltbar und klar. Und Speierling-Früchte enthalten obendrein viel Vitamin C.

Aufgepasst: „Äppelwoi“ mit Speierling-Fruchtzusatz nennt man „Speierling“, also wie den Baum. Da der Baum selten ist, fördert man also mit dem Genuss von „Äppelwoi-Schoppe-Petze“ aus dem „Bembel“ und dem „Gerippte´“ den Erhalt des Speierlings. Also des Baumes! Na denn Prost!

(Übrigens: Auch im Naturschaugarten haben wir einen Speierling gepflanzt.)

Warum heißt denn …

der Natternkopf Natternkopf? Sie haben es sicher erraten. Richtig, die Blüte dieser wunderschönen Pflanze soll an den Kopf einer Natter erinnern. Und die gespaltenen Staubblätter sehen so ein bisschen wie die Natternzunge aus.

Der Natternkopf ist ein wahrer Insektenmagnet. Richtig richtig viele Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und über 40 Schmetterlingsarten werden von der blauen Blütenpracht angelockt. Ein Flugverkehr wie am Frankfurter Flughafen! Schaut man genauer hin, kann man mitunter die sehr kleinen graublauen Pollen sehen, die weggeschleppt werden.

Die Blütezeit ist superlange, vom Mai bis Oktober. Gehen Sie mal an einem warmen Tag um 15 Uhr vor einem Natterkopf in die Hocke. Saaaagenhaft. Es gibt sogar eine Wildbienenart, die sehr auf dieses „blaue Wunder“ angewiesen ist: die Natternkopf-Mauerbiene. Auf meinem Bild, das müssten die Weibchen dieser Art sein.

Warum gerade um 15 Uhr? Das weiß ich auch nicht, möglicherweise ist da so eine Art „Teatime“, halt ohne Tee. Aber wie auch immer, es stimmt, um diese Zeit, da trifft sich was, da trifft es sich gut, wenn Sie dabei sind. Fotoapparat nicht vergessen!

Warum heißt denn …

das Habichtskraut Habichtskraut?

Diese wunderschöne heimische Pflanze hat den Gattungsnamen “Hieracium”, das leitet sich vom griechischen Wort “hierax” für “Habicht” ab. Nu, das erklärt ja nu mal gar nichts. Um mehr zu verstehen, muss man sich in die sagenhafte Sagenwelt begeben. Denn lt. der Legenden streichen sich Habichte mit dem Milchsaft der Pflanze die Augen. Damit sie besser sehen können! Ha, die sehen doch schon fast zehnmal besser wie der Mensch! Und haben eine Art „Superzoom“, um selbst kleine Beutetiere aus großer Höhe zu sehen.

Abgesehen vom Habicht hat der Mensch im Mittelalter die Pflanze für Augenkrankheiten, also, ich meine gegen diese genutzt.

Andere Sagen sagen, Habichte würden ihre Schnäbel an den Blüten schärfen. Ich sag dazu nichts mehr, ich halte den Schnabel.