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Was fliegt denn da?

Die Hain-Schwebfliege, meine liebste Fliege. Sie hat auch ein super Image: sieht attraktiv und unverwechselbar aus, hat unglaubliche Flugkünste und ist unglaublich nützlich. Sie lässt sich zudem leicht züchten für die Schädlingsbekämpfung.

Bei der Ernährung ist sie (anders wie ich 😊) nicht wählerisch. Männchen bevorzugen Nektar, Weibchen mehr Pollen, die Auswahl der Nahrungspflanzen ist riesig. Sie haben dadurch eine bedeutende Rolle bei der Bestäubung (anders wie ich 😊).

Jetzt ein Paar Eckdaten: Die Larve der Hain-Schwebfliege frisst einige Hundert bis über Tausend Blattlausarten, von über 200 verschiedenen pflanzensaugenden Läusearten! Sie packt Läuse, reißt sie hoch, sticht sie an, saugt sie aus. Trotzdem ihrer Fresssucht macht sie nur einmal Stuhlgang: direkt vor der Verpuppung. Man sieht: Verdauung wird oft überbewertet. Noch was Spannendes: Die Larve „atmet“ über das Hinterteil.
Die Schwebfliege verpuppt sich in der letzten Larvenhaut und schlüpft nach etwa einer Woche. Nach ein paar Stunden ist ihr Außenskelett ausgehärtet und sie fliegt los, bis 300 Flügelschläge pro Sekunde, kann in der Luft stehen, rückwärts fliegen, blitzschnell beschleunigen (bis zu dreifacher Erdbeschleunigung). Haben Sie schon mal eine Schwebfliege ferngesteuert: Einfach mal den ausgestreckten Zeigefinger bewegen, die Schwebfliege bleibt fast immer im konstanten Abstand!

Das Weibchen legt über 1000 Eier, wählt dabei gezielt junge Blattlauskolonien aus. In unseren Breiten sind 1 – 2 Generationen möglich. Schwebfliegen sind Migranten. Sie wandern fast vollständig aus dem Mittelmeerraum ein, manchmal wird gar das Mittelmeer gequert. Sie scheuen auch nicht Non-Stopp-Flüge von 400 km (z.B. auf die Färöer-Inseln. Kleines Tier, großes Wunder, nicht nur im Naturschaugarten. Aber leider deutlich weniger wie früher.

Warum heißt …

das gelbe Grindkraut Grindkraut (Gelbe Skabiose)?

Ich habe mal den Google-Übersetzer bemüht. Der hat Skabiose als „lettisch“ erkannt und ins Deutsche übersetzt. Und behauptet, das hieße „in den Arabern“. Das ist natürlich Unsinn. Ich denke, da ist Google mit seinem Latein am Ende. »Scabiosa« kommt aber wirklich aus dem Lateinischen.  „Scabere“ bedeutet kratzen. Denn die Pflanze wurde als Mittel gegen Ekzeme verwendet. Man machte dazu einen Breiumschlag aus frischen Blättern. »Scabies« ist nämlich die Krätze, auch Grind genannt. Das Jucken erzeugt einen Wundschorf (auch Grind genannt). Aber ich glaube aber, das juckt Google nicht.

Ich und Bienen und Schmetterlinge lieben die wunderschönen bläulich-lilafarbene bis violette Tauben-Skabiosen (Scabiosa columbaria) und die Gelben Skabiosen (Scabiosa ochroleuca, auf dem Bild mit dem Kleinen Kohlweißling). Beide Formen blühen von Juni bis September. Sie finden beide Formen im Naturschaugarten Lindenmühle. Und mich und Bienen und Schmetterlinge.

Warum heißt der …

Speierling Speierling? Bedeutet nicht speien „sich übergeben, brechen, kübeln, reihern“? Wird mir also von Obst des Speierlings „speiübel“? Nein, im Gegenteil! Man sagt den Früchten nach, dass sie Erbrechen und Durchfall lindern könnten.

Ist das der Grund, warum man dem Apfelwein geringe Mengen der Speierlingfrüchte zusetzt? Apfelwein, zumindest, wenn man ihn übermäßig trinkt, führt ja meist zu Durchfall. Es wird gar behauptet, dass die Römer sich vor Apfelwein so grauten, dass sie deswegen den Limes im Taunus errichteten. Also ist es doch genial, dem Apfelwein Speierling-Obstsaft zuzufügen. Das lindert die gefürchtete übermäßige „Entschlackung“. Außerdem macht es den Apfelwein haltbar und klar. Und Speierling-Früchte enthalten obendrein viel Vitamin C.

Aufgepasst: „Äppelwoi“ mit Speierling-Fruchtzusatz nennt man „Speierling“, also wie den Baum. Da der Baum selten ist, fördert man also mit dem Genuss von „Äppelwoi-Schoppe-Petze“ aus dem „Bembel“ und dem „Gerippte´“ den Erhalt des Speierlings. Also des Baumes! Na denn Prost!

(Übrigens: Auch im Naturschaugarten haben wir einen Speierling gepflanzt.)

Warum heißt denn …

der Faulbaum Faulbaum?

Also, das war so: Gott sprach zu dem untätigen Faulbaum: „Sei nicht so faul, Baum!“. Aber nein, das war jetzt eine fake news. Denn der Name kommt vom leichten Fäulnisgeruch der Rinde.

Der Baum heißt auch Schießbeere. Dazu muss man wissen, dass die Rinde abführend wirkt. Aber, ach, da müsste der Baum ja anders heißen. Nein, der Faulbaum (alias Schießbeere alias Pulverholz) heißt mit seinen weiteren Namen so, weil die aus dem Faulbaum gewonnene Holzkohle früher für die Herstellung von Schwarzpulver gebraucht wurde.

Nicht faul ist der Baum mit seinen Blüten. Die sind zwar unscheinbar, aber langlebig, von Anfang Mai bis Ende Juni. Und sie sind eine unglaubliche Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Insekten. Schmetterlinge wie der Kleine Eisvogel, der Faulbaumbläuling und ganz besonders der Zitronenfalter sind sehr vom Faulbaum abhängig.

Genug geschrieben, ich war echt nicht faul! So wenig faul wie der Faulbaum.

Warum heißt denn …

der Natternkopf Natternkopf? Sie haben es sicher erraten. Richtig, die Blüte dieser wunderschönen Pflanze soll an den Kopf einer Natter erinnern. Und die gespaltenen Staubblätter sehen so ein bisschen wie die Natternzunge aus.

Der Natternkopf ist ein wahrer Insektenmagnet. Richtig richtig viele Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und über 40 Schmetterlingsarten werden von der blauen Blütenpracht angelockt. Ein Flugverkehr wie am Frankfurter Flughafen! Schaut man genauer hin, kann man mitunter die sehr kleinen graublauen Pollen sehen, die weggeschleppt werden.

Die Blütezeit ist superlange, vom Mai bis Oktober. Gehen Sie mal an einem warmen Tag um 15 Uhr vor einem Natterkopf in die Hocke. Saaaagenhaft. Es gibt sogar eine Wildbienenart, die sehr auf dieses „blaue Wunder“ angewiesen ist: die Natternkopf-Mauerbiene. Auf meinem Bild, das müssten die Weibchen dieser Art sein.

Warum gerade um 15 Uhr? Das weiß ich auch nicht, möglicherweise ist da so eine Art „Teatime“, halt ohne Tee. Aber wie auch immer, es stimmt, um diese Zeit, da trifft sich was, da trifft es sich gut, wenn Sie dabei sind. Fotoapparat nicht vergessen!