Arbeitskreis Naturnahes Grün

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Ein Artenschutzprojekt der Lokalen AGENDA21
Mainz - von Bürgern für Bürger

Wer wartet am Weg? – Ein Portrait der Wegwarte

Was für ein tolles Blau, strahlend wie der Himmel! Die Wegwarte (Cichorium intybus) blüht vom Juli bis Oktober in Getreidefeldern, Wegrändern und Schuttplätzen und hat schon zu allen Zeiten für Geschichten und Mythen gesorgt. Nach manchen Vorstellungen sind die seltenen weißen Blüten der Wegwarte verwunschene gute Menschen, die häufigen blauen Blüten sollen schlechte Menschen gewesen sein.

Eine häufige Geschichte ist die von der Geliebten eines Ritters, der sie wegen eines Kreuzzugs verließ. Die Gute wartete und wartete und irgendwann habe der Himmel ein Einsehen gehabt und sie in eine (weiße) Wegwarte verwandelt. Ob es sich als Pflanze besser wartet?

Allerlei Zauberkraft soll die Blume haben: mal wird behauptet, sie mache unverwundbar, mal soll sie gegen Blitzeinschlag helfen und manchmal helfe es, wenn man eine Nacht darauf schläft, damit man am nächsten Tag verlorene Dinge wieder findet. Und in der Romantik war sie Stoff für manches Liebeslied, denn die Pflanze würde helfen, Menschen für sich zu gewinnen. Sapperlot! So viele Geschichten um eine Pflanze, die man kaum beachtet.

Wirklich abenteuerlich lesen sich die Heilwirkungen. Das Kraut soll gegen fast alles helfen: Hautkrankheiten, Ekzeme, bei Krankheiten der Leber, Galle, Milz, Magen, Rotlauf, Fieber, Niere, Gelbsucht, Gicht und wer weiß noch was. Es wird äußerlich und innerlich verwendet und hält hoffentlich niemanden davon ab, bei ersten Krankheiten den Arzt auf zu suchen. Die Kulturform dieser Blume nennt sich Zichorie. Und aus der Wurzel wurde in Zeiten, in denen der Kaffee knapp wurde, ein Kaffeeersatz gemacht. Wurzel geröstet und gemahlen, fertig war das Kaffeepulver für den „Blümchenkaffee“ oder „Muckefuck“!

Trotz aller Verwendungsmöglichkeiten kann man die Wegwarte aber auch einfach stehen (und warten) lassen. Genauso wie all die Pflanzen, die jetzt und in Zukunft in der Schauanlage in Bretzenheim wachsen.

Die Weide – eine Augenweide

Weiden (Salix) sind ein Teil der heimischen Pflanzenwelt, der viel mehr Beachtung verdient. „Sie werden große Bäume und wachsen am Wasser“ – so denken viele. Dabei hat diese Gattung viel mehr zu bieten. Es gibt unter den zahllosen heimischen Arten auch solche, die als nicht zu große Sträucher wachsen und die auch Trockenheit vertragen.

Die Rinde der Weide enthält den medizinischen Wirkstoff Salicylsäure, der Fieber senkt, Schmerzen lindert und Entzündungen hemmt (industrielle Nutzung durch z.B. Aspirin).

Die Weide war im Volksglauben der Baum der Hexen und Geister und hatte den Ruf, Unfruchtbarkeit und Impotenz zu bewirken. Sie wurde deshalb immer mit Kummer und verlorener Liebe verbunden. Weidenholz zu verbrennen würde Unglück bringen! „Zauberstäbe“ und Wünschelruten waren einst u. a. aus Weidenzweigen.

Die Weide war Demeter geweiht, der Göttin der Fruchtbarkeit der Erde und galt als heilender Baum, der die Fähigkeit besaß, Unheil und Krankheit durch einen Zauberspruch auf sich zu nehmen. Man stellte sich in die hohlen Weidenstämme und „verbannte“ seine Krankheit (vor allem Fieber, Gicht) mit Gebeten.

Weiden in Klostergärten gepflanzt sollte Linderung der Lust und der Unkeuschheit bewirken.

Aber auch ohne diese Geschichten sind Weiden einfach schön und überaus nützlich. Sie gehören in jeden Naturgarten. Ihr Blattschmuck wertet jede Hecke auf, und ihre meist sehr frühen Blütenkätzchen bringen Duft und zarte Farben in den Garten. Und noch etwas: Kaum eine heimische Gehölzgattung ist für unsere Kerbtiere wie Wildbienen und Hummeln so wichtig wie die Weiden!

In den Versickerungsflächen, die an die Naturnahe Schauanlage angrenzen, wurden und werden vom Arbeitskreis Naturnahes Grün der Lokalen Agenda 21 auch Weiden angepflanzt. Und vielleicht sind sie schon bald eine „Augenweide“!

Rosen für den Igel

rosenblueteDie Rose gilt als die Königin der Blumen. Es gibt kaum einen deutscher Garten oder Park ohne eine oder mehrere Vertreterinnen dieser mittlerweile in mehreren tausend Varietäten gezüchteten Gartenblume. Ihre Bedeutung für die Tierwelt im menschlichen Siedlungsraum ist daher sehr groß.

Die Verwendung von Rosen in Gärten lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen. Zuerst waren es die Mönche, die wilde Rosen nicht der Zierde wegen, sondern als Heilpflanze in die Klostergärten holten. Die erste, noch sehr naturnahe und wenig verbildete Zuchtform aus heimischen Wildrosen hieß demnach auch „Apothekerrose“. Man findet sie gelegentlich noch in Bauerngärten. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts wurden für die Gärten der Adeligen und reichen Bürgersleute die ersten modernen Gartenrosen gezüchtet. Dazu kreuzte man einheimische Arten mit ausländischen Wildformen. Ihre prachtvoll gefüllten Blüten bestehen aus zu Blütenblättern umgeformten Staubgefäßen. Das alles geht natürlich auf Kosten des Nutzens für die heimische Tierwelt. Blütenbesuchende Insekten finden in solchen Rosen keinen Nektar mehr, viele Tiere, die sich von den Blättern der heimischen Rosenarten ernähren, konnten mit den ausländischen Kreuzungen nichts mehr anfangen. Außerdem sind die unserem rauen Klima nicht angepassten, südländischen Rosenkreuzungen anfällig für Pilzerkrankungen und Schädlinge, mit denen eine heimische Wildrose leicht fertig wird. Es muss mit chemischen Mitteln nachgeholfen werden.

Die Wildrose hingegen erlitt seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ein trauriges Schicksal. Seit 150 Jahren werden in der profitorientierten Waldwirtschaft aufgelichtete, mit lichthungrigen Rosenbüschen durchsetzte Hutwälder mit Bäumen aufgeforstet, natürliche Waldränder von Gestrüpp und Rosensträuchern befreit. Die moderne Agrarwirtschaft duldet keine Hecken mehr in der Landschaft, und wo sie noch bestehen, pflegt sie niemand mehr. Schwachwüchsige Wildrosen werden so von starkwüchsigem Gebüsch erstickt. Noch 1958 beschrieb der deutsche Botaniker Grimme im Raum Kassel 17 heimische Rosenarten, heute sind nur mehr bescheidene Reste einiger weniger Rosensträucher übriggeblieben. Viele ehemals häufige Rosenarten sind in freier Natur heute bereits vom Aussterben bedroht.

Die Tierwelt auf Wildrosen

tierweltIm Gegensatz zu ihren protzig-prachtvoll gezüchteten Verwandten werden Wildrosen von uns Menschen verächtlich als „Heckenrosen“, die häufigste Vertreterin der Art gar als „Hundsrose“ bezeichnet. Dabei handelt es sich hier um zarte Blumen von bescheidener, unaufdringlicher Schönheit und von unübertroffenem tierökologischem Nutzen.

Die Wildrose wird nicht zu Unrecht in erster Linie als Käferblume bezeichnet. An manchen natürlichen Standorten kann man mehr als 50 Käferarten darauf finden. Viele sitzen in den Blüten, wo sie entweder Pollen fressen oder in räuberischer Absicht auf Insekten lauern. Der bekannteste davon ist wohl der grünschillernde, pollenfressende Rosenkäfer, der im Jahr 1999 in Deutschland zum Insekt des Jahres ernannt wurde. Blattkäferarten gehen auf Rosenblätter los, Schimmelkäfer lassen sich den an Rosen üblichen Pilzbefall schmecken und die an Rosen zahlreich vorhandenen Blattläuse locken Marienkäfer oder Franzosenkäfer an. Auch das morsche Rosenholz wird genutzt: Bock- und Schnellkäferarten entwickeln ihre Larven darin.

Rosenblätter sind Raupenfutter für nicht weniger als 31 Arten von Kleinschmetterlingen: Zünsler, Holunderbär, Birkenspanner oder Schlehengeistchen. Rosenblüten locken im Frühsommer auch noch andere Insekten an: neben der Honigbiene holen sich davon Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen ihren Nektar. Schwebfliegenlarven ernähren sich von den Blattläusen der Rose, Blattschneiderbienen bauen aus Rosenblättern ihre Brutnester. An Rosenstängeln sitzen Zikaden und saugen am Pflanzensaft, Futter für Raub- und Blumenwanzen. Diese Vielfalt von Insekten lockt deren Feinde an: besonders im Spätsommer und Herbst findet man an Rosensträuchern Unmengen von Spinnen: Radnetzspinnen, Kugelspinnen oder Baldachinspinnen. Insektenfressende Vögel, wie Blaumeisen und Heckenbraunellen, holen sich ihr Futter von den Zweigen. In der Nacht sind es die Fledermäuse, die von dem reich gedeckten Tisch profitieren und Spitzmaus und Igel haben sich auf die Insektenfauna bodennaher Zweige spezialisiert. Auch in der vegetationsfreien Zeit haben Wildrosenbüsche ihren Wert für die Tierwelt: Hagebutten sind Herbst- und Winterfutter für 27 Vogel- und 19 Säugetierarten.

Wildrosen für den Garten

rosenbuschAngesichts der ernsten Situation der Wildrosen denken Naturschützer über Maßnahmen zu deren Rettung nach. Auf landwirtschaftlich stillgelegten Flächen und ungenützten Straßenrändern können Wildrosen angepflanzt werden, abgeholzte Waldränder können renaturiert werden. Eine Möglichkeit, wie jedermann etwas dazu beitragen könnte, ist die Anpflanzung von Wildrosen im eigenen Garten. Im Gegensatz zu den empfindlichen, arbeitsintensiven Zuchtrosen sind Wildrosen sehr robust und pflegeleicht. Sie müssen nicht gedüngt werden, da sie von Natur aus auf magerem Boden wachsen. Sie brauchen keinen Winterschutz. Da sie auf zweijährigem Holz blühen, sollte man sie möglichst wenig schneiden und höchstens alle paar Jahre einmal verjüngen, indem man alte Triebe herausnimmt. Sie vertragen es jedoch auch, bis zum Boden radikal zurückgeschnitten zu werden und treiben dann um so dichter wieder aus. Die meisten Wildrosen gedeihen an sonnigen, trockenen Standorten, es gibt jedoch auch schattenverträglichere Arten, wie Alpenheckenrose oder Essigrose. Hat man einen Garten mit staunassem Grund, wählt man die Zimt-rose: sie blüht in der Natur an feuchten Bachufern. Wildrosen lassen sich im naturnahen Garten sehr vielfältig einsetzen:

rosenzaunHohe, schnellwüchsige Arten, wie Buschrose (2-4m) oder Hundsrose (3-5m) passen in die wildwachsende Hecke als Grundstücksbegrenzung oder als schmucker Einzelstrauch in eine sonnige Gartenecke. Ihr dichtes, undurchdringliches Dornengestrüpp am Boden bietet einen hunde- und mardersicheren Nistplatz für Igel.

Apfelrose, Blaugrüne Rose und Filzrose gehören zu den kleinwüchsigeren Arten (bis zu 1,50m). Man pflanzt sie in Buschgruppen am Wegrand, einzeln in Vorgärten oder als niedere, wildwachsende Rosenhecke an den Gartenzaun – ein dorniger Schutz gegen Eindringlinge. Rosensträucher setzt man im Abstand von 1m.

rose_im_topfEssigrose, Zimtrose und die Deutsche Bibernellrose werden kaum höher als 60cm. Sie passen in Beete und Rabatten und gedeihen sogar in großen Steinguttöpfen. Bibernellrosen sind in der Natur besonders bedroht. Es gibt sie nur mehr an einem einzigen Standort in der Schwäbischen Alp.

rosenbogenDie einzige mitteleuropäische Kletterrose ist die Kriechrose. Sie blüht weiß und kann bis zu 3m hoch klettern. Man begrünt damit Mauern, Pergolen und alte Bäume. Als Bodendecker verwendet bildet sie ein ½m hohes, undurchdringliches Gestrüpp mit vielen Ausläufern.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)

Totholzhaufen: Winterquartier und Kinderstube für Tiere

In den Gärten wird im Winter aufgeräumt, gesägt und geschnitten. Es muss „ordentlich“ aussehen. Doch die von uns erdachte Ordnung ist eine andere als die, nach der sich die Natur richtet. Wir vernichten bewusst oder gleichgültig die Lebensgrundlage von Pflanzen und Tieren.

Doch gerade alte, morsche Bäume, Äste und Reisig, das sogenannte Totholz, stellt einen äußerst wichtigen Lebensraum dar. Es klingt wie ein Widerspruch, doch Alt- oder Totholz bedeutet Leben. Nicht nur Vögel und Insekten, auch Moose, Flechten und Pilze sind auf totes Holz angewiesen.

Irgendwo in Ihrem Garten ist sicher eine Fläche, wo eine Anhäufung von Altholz und Reisig nicht stört.

Im morschen, abgestorbenen Holz nisten ausgesprochene Spezialisten wie Wildbienen. Sie spielen bei der Befruchtung unserer Obstgehölze und Wildpflanzen eine wichtige Rolle. Keine Angst, diese kleinen Bienen stechen nicht. Käfer sind meist die ersten Bewohner im Totholz. Auch der selten gewordene Hirschkäfer braucht totes Holz zum Leben.

Kleinsäuger und Vögel stehen an der obersten Stelle der Lebenskette. Sie finden im Altholz Nahrung und damit die Sicherung ihres Nachwuchses.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, eine Totholzfläche zu schaffen, zu belassen und zu schützen, dann sichern Sie damit Leben. Und Sie werden den Kreislauf der Natur beobachten können, ein Wunder in Ihrem Garten.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors.)

Texte unserer Ausstellung im Blütenhaus

von Brigitte Schwarze-Veit

Naturnah gärtnern: was heißt das?

Im naturnahen Garten werden nur einheimische Wildpflanzen eingesetzt, dies aber in einer großen Vielfalt. Auch in der Natur vorkommende Varianten, natürliche Kreuzungen und nicht überzüchtete Gartenformen heimischer Pflanzen können verwendet werden. Die Pflanzen werden standortgerecht ausgewählt. Bei der Gestaltung des Gartens dienen die Lebensräume der Natur als Vorbild: Hecken mit einem bunten Saum, artenreiche Wiesen, Teiche mit Sumpfrand …

Für den Bau von Zäunen, Wegen und Mauern sind natürliche Materialien die beste Wahl.

Gehölze werden nach Größe und Wuchsart so ausgewählt, dass sie nicht geschnitten zu werden brauchen. Müssen doch einmal einzelne Äste entfernt werden, weil sie im Weg sind, kann man einen Totholzhaufen anlegen, auf dem das Holz in Ruhe verrotten kann.

Der Boden und mit ihm die zugehörigen Kleinstlebewesen freuen sich über eine schonende Behandlung: Auf Hacken und Umgraben kann man verzichten. Stattdessen bedecken Bodendecker die Erde ganz und halten ihn kühl und feucht und verhindern unliebsame Beikräuter.

Abgestorbene Pflanzenteile verrotten an Ort und Stelle. Dann kann man auf Dünger und auch auf Kompost verzichten, denn alle Nährstoffe werden hierbei in einem natürlichen Kreislauf dem Boden wieder zugeführt.

Nach einer Neuanpflanzung muss auch im Naturgarten gejätet werden, aber mit Bedacht, denn es können auch erwünschte Wildkräuter einwandern. Am besten zupft man die Pflanzen erst, wenn deutlich zu erkennen ist, um was es sich handelt. Ist die Pflanzendecke dann geschlossen, findet sich kaum noch Unerwünschtes ein.

6 Gründe, die für einen Naturgarten Sprechen

1) Einheimische Tiere lieben einheimische Pflanzen, denn in einem Garten mit exotischer Flora müssen sie hungern. Im Verlauf einer langen Anpassung haben sich viele Tierarten auf einheimische Pflanzen spezialisiert, beispielsweise viele Schmetterlingsarten, und sind nun auf sie angewiesen.

2) Ein Naturgarten ist ein echter Erlebnisgarten. Eine Vielfalt natürlicher Lebensräume gibt besonders Kindern immer wieder Gelegenheit, verschiedene Tiere und Pflanzen im Jahresverlauf zu beobachten und sinnlich zu erfahren, was Natur ist.

3) Die gärtnerischen Gestaltungsmöglichkeiten sind enorm, denn es gibt eine große Vielfalt an einheimischen Wildpflanzen und Lebensräumen. Von insgesamt rund 3100 einheimischen Arten sind mindestens 1500 gartentauglich.

4) Einheimische Pflanzen sind an unser Klima bestens angepasst und brauchen, richtig ausgewählt, keinen Winterschutz. Außerdem sind sie robust gegenüber Schädlingsbefall. Durch die standortgerechte Auswahl kann auch das Gießen auf ein Minimum in langen Trockenzeiten begrenzt werden.

5) Naturgärten sind kostengünstig in Anlage und Unterhalt, denn es gibt kaum Ausfälle bei neugesetzten Pflanzen. Außerdem vermehren sich einheimische Pflanzen willig. Aufwendungen für Dünger und Pflanzenschutz entfallen.

6) Ein Naturgarten macht weniger Arbeit als ein Ziergarten: Ein regelmäßiger Schnitt von Sträuchern ist unnötig. Wiesen werden nur 1 bis 3 mal gemäht. Und in einer geschlossenen Pflanzendecke gibt es wenig „Unkraut“. Seien Sie faul und genießen Sie Ihren Garten!

Der naturnahe Garten: eine Oase für Tiere

Für den Schutz bedrohter Pflanzenarten kann ein Naturgarten nur einen kleinen Beitrag leisten, denn zumeist entsteht die Bedrohung durch die Zerstörung des natürlichen Lebensraumes. Nur durch Naturschutzgebiete ist diesen Arten wirklich zu helfen.

Anders aber ist es bei Tieren: auch für die Wählerischen unter ihnen bietet der Naturgarten Futter, Schutz und Unterschlupf. Unsere einheimischen Tiere und die hiesigen Gewächse haben sich in einem langen Zeitraum aneinander angepasst und sind nun auch aufeinander angewiesen.

Einheimische Gehölze ertragen auch einen starken Kerbtierbesatz. Vögel finden darum in den Gehölzen einen reichgedeckten Tisch: im Sommer füttern sie ihre Jungen mit Insekten, im Winter vernaschen sie die Früchte und tragen so zur Vermehrung ihrer Futterpflanze bei.

Mit exotischen Pflanzen klappt das Zusammenspiel viel weniger gut. Beispielsweise ernährt die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) sage und schreibe 63 Vogelarten. Für die Bastard-Mehlbeere (Sorbus x hybrida) können sich aber nur 4 von unseren gefiederten Freunden erwärmen.

Die einheimische Vogelkirsche (Prunus avium) bietet 48 Vogelarten Futter, der beliebte Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) nur 3 Arten.

Forsythien und japanische Rhododendren sind ein besonders trauriger Fall: nicht ein Vogel kann hier Futter finden. Auch Insekten meiden diese Exoten.

Je mehr verschiedene Lebensräume mit einer großen Auswahl an Pflanzenarten in einem Garten geschaffen werden, desto artenreicher ist auch das Tierleben, das sich hier ansiedelt.

Der naturnahe Schaugarten für Mainz

Wissen Sie, wie eine Steinweichsel (Prunus mahaleb) aussieht? Erkennen Sie eine Hechtrose (Rosa glauca) oder eine Blumen-Esche (Fraxinus ornus)? Haben sie schon einmal einen Gamander-Spierstrauch oder einen Mispel-Weißdorn (X Crataemespilus grandiflora) gesehen?

Liguster (Ligustrum vulgare) kennen Sie; aber wie blüht und wächst er, wenn man ihn nicht schneidet? Unter kornblumenblau können Sie sich etwas vorstellen, aber wie sieht eine Kornblume (Centaurea cyanus) aus?

Die meisten Gartenbesitzer (und auch Gärtner) wissen heutzutage mehr über exotische Pflanzen als über die heimische Flora.

Unser naturnaher Schaugarten soll sinnlich vermitteln, welche Möglichkeiten für jeden Garten in den heimischen Wildpflanzen stecken.

Natürlich, nicht alle rund 1500 gartentauglichen Arten können wir vorführen. Aber ein Naturgarten hat wesentlich mehr zu bieten, als langweilige Feldraine und artenarme Brachen zwischen gespritzten Feldern vermuten lassen.

Lassen Sie sich überraschen!

Wiesen: bunte Blüten und viel Gesumme

Eine bunt blühende Wiese bietet einen schönen Anblick und auf ihr finden Schmetterlinge, Hummeln, Bienen und andere Insekten einen reichgedeckten Tisch. Blumenwiesen werden 2 bis 3 mal im Jahr gemäht. Dadurch verlängert sich das Blütenangebot für die Tiere, denn viele Arten blühen nach der Mahd ein zweites Mal.

Wie eine Wiese sich entwickelt und welche Arten auf ihr zu finden sind, hängt wesentlich von der Versorgung mit Wasser und Nährstoffen und auch vom Kalkgehalt des Bodens ab. Fachleute unterscheiden über 300 verschiedene Wiesentypen.

Wiesen-Salbei beispielsweise liebt trockene bis frische, kalkhaltige Böden. Der Wiesen-Storchschnabel bevorzugt frische, kalkhaltige und nährstoffreiche Plätze. Die Wilde Möhre zeigt sich anpassungsfähig, ebenso die Wiesen-Schafgarbe und die Wiesen-Flockenblume. Die Wiesen-Glockenblume lebt gerne in frischen Fettwiesen.

Wiesensamenmischungen enthalten ein breites Spektrum an Pflanzenarten, von denen sich die jeweils standortgerechten ansiedeln werden. Achten Sie beim Kauf auf Samen von Wildpflanzen heimischer Herkunft!

Spezielle Samenmischungen gibt für einige Sonderstandorte.

Blumenrasen: Im Gegensatz zur Blumenwiese kann ein Blumenrasen betreten werden. Es wachsen niedrige und schnittfeste Arten wie Gänseblümchen, Kriechender Günsel und Gamander-Ehrenpreis. Man kann 4 bis 8 mal mähen.

Feuchtwiese: Gilbweiderich, Blutweiderich, Kuckuckslichtnelke und Prachtnelke lieben es feucht bis nass. Ihnen macht man es an einer sumpfigen Stelle gemütlich. Feuchtwiesen werden im Frühjahr gemäht, aber nicht unbedingt jedes Jahr.

Magerrasen: Ohne Dünger wächst nichts? Gerade dort, wo es nährstoffarm und trocken ist, treibt die Natur die schönsten Blüten. Karthäusernelke, Kalkaster und Sonnenröschen beweisen es. Magerrasen wird 1 bis 2 mal geschnitten.

Sandrasen: Im Mainzer Naturschutzgebiet Großer Sand ist es besonders mager und sehr trocken. Nur Spezialisten unter den Pflanzen wie Scharfer Mauerpfeffer, Natternkopf und Sand-Fingerkraut können sich hier halten. Aber auch für solche Sandböden wie in Finthen und Gonsenheim gibt es spezielle Samenmischungen.

Trockenmauer, Treppe, Weg und Steinfläche

In den Fugen von Trockenmauern und zwischen den Platten von Treppen und Wegen fühlen sie sich wohl: die Ritzenbewohner unter den einheimischen Pflanzenarten. Dazu gehören der Edel-Gamander, der Quendel, das Weißliche Habichtskraut und das Gewöhnliche Sonnenröschen.

Es sind Pflanzen, die mit wenig Feinerde vorlieb nehmen und die die Wärme lieben, welche von den Steinen an Sonnentagen abgestrahlt wird. Auch manche Gehölze wie der Rote Geißklee, das Meerträubel und die Kriechende Bibernellrose wachsen gern an Mauern.

Trockenmauern werden aus Natursteinen (möglichst aus der Region) ohne Mörtel gesetzt. Auf ein Betonfundament wird verzichtet. Die Hohlräume zwischen den Steinen bieten wärmeliebenden Tieren wie Eidechsen und Mauerbienen Unterschlupf und Brutplatz.

Freistehend eignet sich eine Trockenmauer zur Grundstücksbegrenzung oder zur Abgrenzung der Terrasse. Man kann sie aber auch als Stützmauer einsetzen, um Hänge zu terrassieren oder Hochbeete anzulegen. Günstig ist eine Ausrichtung nach Süden.

Wege im Naturgarten erhalten ein gut gefestigtes Fundament aus Kies, Schotter und Sand, in dem Wasser gut versickern kann. Für Wege und Treppen kann man Natursteinplatten, Ziegel, Klinker, Kies oder auch Rindenmulch als Deckmaterial verwenden.

Stein und Schutthaufen sind die Naturgartenversion eines Steingartens. Man kann hierfür den Schutt, der sich beim Hausbau angesammelt hat, verwenden. Hier werden Mauerpfeffer und Berg-Gamander oder der immergrüne Rosmarin-Seidelbast angesiedelt.

Bäume und Sträucher: Struktur für den Garten

Ob Gehölzgruppe, Hausbaum oder Hecke, der Einsatz von Gehölzen will wohl überlegt sein, denn sie bilden das Grundgerüst des Gartens und prägen ihn mehr als alle anderen Elemente. Eine abwechslungsreiche Gestaltung mit vielen Arten ist für die Tierwelt besonders wertvoll und erfreut das Auge des Betrachters.

Bei der Auswahl sollte man neben Licht- und Bodenverhältnissen vor allem auch die spätere Endwuchshöhe und -breite im Auge behalten, damit die Gehölze immer ohne Schnitt frei wachsen können.

Ein Hausbaum gehört in jeden Garten. Man kann ihn in den Vorgarten setzen, in die Hecke integrieren oder als Schattenspender neben den Sitzplatz pflanzen. Für kleine Gärten eignen sich nur Bäume 3. Ordnung mit einer Höhe bis 12 m wie der Burgen-Ahorn oder die Echte Mehlbeere.

Hecken bieten mehr als nur Schutz vor unliebsamen Blicken. Wildrosen beispielsweise blühen prachtvoll, duften intensiv und schmücken sich im Herbst mit einer Vielzahl roter Hagebutten. Im Schutz ihrer Stacheln können Vögel sicher vor Katzen und anderen Räubern brüten.

Auch die Gemeine Felsenbirne und die Strauch-Kronwicke sind sehenswerte Blütensträucher, die etwa mannshoch werden und so auch in kleinere Gärten passen.

Bei wenig Platz wird eine Hecke einreihig angelegt. Dabei sollte man vom Nachbargrundstück einen Mindestabstand von 1 m wählen. Schöner ist eine Hecke von mehreren Reihen mit Großsträuchern und Bäumen hinten, davor Mittel- und Kleinsträucher in lockerem Wechsel.

Mittelhohe Sträucher pflanzt man am besten mit einem Abstand von ungefähr 1 m.

Großsträucher wie Kornelkirsche und Holunder benötigen 1,5 m bis 2 m Abstand.

Kleinsträucher wie der Schwarze Geißklee oder die Zwergmandel eignen sich für niedrige Unterteilungshecken oder als Abgrenzung des Vorgartens. Der Pflanzabstand beträgt hier 0,5 m.

Auf der Sonnenseite von Gehölzen sollte man einen bunten, artenreichen Saum mit Wildblumen und Gräsern anlegen, die den Wurzeldruck der Gehölze gut ertragen. Bergaster, Ochsenauge und Moschusmalve setzen hier farbige Akzente. Schattenpflanzen begrünen die andere Seite.

Pflanzen für Schatten und Halbschatten

Im Naturgarten sind schattige Stellen kein Problemfall, denn die Waldbewohner unter den einheimischen Wildpflanzen fühlen sich hier wohl. Gelber Salbei, Wald-Storchschnabel und Waldgeißbart gedeihen im feuchten, humosen Boden auch bei wenig Sonne prächtig.

Den Boden bedecken Kriechender Günsel, Walderdbeere und Pfennigkraut. Auch auf Sträucher muss man hier nicht verzichten: Seidelbast und Wilde Stachelbeere lieben es etwas dunkler. Die Alpen-Heckenrose bringt besonders üppige Blüten in den Halbschatten.

Kletterpflanzen: Begrünung für Wände und Klettergerüste

Gerade für kleine Gärten ist eine Begrünung mit Kletterpflanzen ideal, denn ein kleines Fleckchen Erde reicht und eine ganze Hauswand fängt an zu leben. – Efeu erobert mit seinen Haftwurzeln selbständig eine Wand. Die meisten anderen Kletterpflanzen benötigen Hilfe in Form von Rankgittern, so auch das hübsche Garten-Geißblatt.

Reicht der Platz nicht für eine freiwachsende Hecke, kann man diese durch bepflanzte Kletterhilfen als Abgrenzung ersetzen. Schön ist es auch, wenn man ältere Gehölze von Kletterpflanzen bewachsen lässt.

Naschen im Naturgarten: Obst und Wildfrüchte

Die sinnlichen Genüsse, die der Naturgarten zu bieten hat, beschränken sich nicht auf Auge, Nase und Gehör. Vielmehr bietet er uns viele Leckereien. Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Walderdbeeren sind heimische Gewächse, die gut munden.

Aus den Früchten vieler Gehölze lassen sich köstliche Marmeladen herstellen: Sanddorn (reich an Vitamin C), Schlehe, Kornelkirsche, Vogelkirsche und Schwarzer Holunder. Auch die Hagebutten der Hundsrose und anderer Rosen eignen sich hierfür.

Ergänzt werden kann das Angebot durch bestimmte, oft urtümliche Obstsorten (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Pfirsiche, Aprikosen u.a.), die besonders wiederstandsfähig gegen Krankheiten sind und bei denen man weder schneiden noch spritzen muss, um ernten zu können. Obstbäume sind auch als Hausbaum geeignet.

Ein Naturgarten erweitert aber auch das übliche Gemüseangebot: Bärlauch, Knoblauchrauke, Gänseblümchen, Guter Heinrich und Löwenzahn geben dem Salat eine besondere, kräftige Note.

Wildblumenbeete: Gestaltung naturnah

Gehölzsäume und Wiesen werden in der Regel durch Einsaat angelegt. Dann wächst, was keimt, dort, wo es keimt. Staudenbeete erhält man, indem man im Topf gezogenen Pflanzen so setzt, dass sich ein optisch ansprechendes und ausgewogenes Bild ergibt.

Wildblumenbeete platziert man dort, wo der Blick besonders oft hinfällt: im Vorgarten, an der Terrasse, vor dem Fenster, aus dem man besonders häufig schaut. Ob an sonniger oder schattiger Stelle, im Wildblumenbeet kann man seine Lieblinge versammeln.

Bei der Anlage plant man erst die Leitstauden: besonders prachtvolle und große Arten, wie Rainfarn und Dorniger Hauhechel oder Wald-Geißbart für den Schatten. Drumherum werden in Gruppen mittelhohe Stauden platziert wie Weidenblättriges Ochsenauge und Gemeine Küchenschelle.

Zuletzt sieht man für die verbleibenden freien Stellen Bodendecker vor wie Grasnelke, Tripmadam und Großes Windröschen, im Schatten Frühlings-Platterbse, Walderdbeere und Duft-Veilchen. Natürlich kann man in solche Beete auch Gehölze miteinbeziehen.

Was Sie noch für Tiere im Naturgarten tun können

Holzreste und Reisig werden in einer abgelegenen Ecke zum Totholzhaufen aufgeschichtet. Solch ein Haufen eignet sich hervorragend als Unterschlupfmöglichkeit für Erdkröten, Zauneidechsen, Spitzmäuse, Igel und Mauswiesel. Auch Rotkehlchen und Zaunkönig nisten hier gern.

Wildbienen, von denen etliche zu den bedrohten Arten gehören, kann man eine Nisthilfe bauen aus alten Ziegelsteinen mit Lochung, zusammengebundenem Schilf und Strohstücken oder Hartholz mit hineingebohrten Löchern (kein Nadelholz) und einem Dach darüber.

Manche mögen es feucht: Teich und Sumpfgebiet

Gibt es in Ihrem Garten eine Stelle, an der sich immer wieder Pfützen bilden und nichts recht gedeihen will? Das ist der geeignete Platz für ein Feuchtbeet, in dem man so grazile Schönheiten wie Kuckucks-Lichtnelke, Echtes Mädesüß und Blaue Himmelsleiter ansiedelt.

Sie können sumpfige Stellen auch künstlich schaffen, indem Sie den Boden in einer Tiefe von 40 bis 60 cm verdichten oder Teichfolie auslegen. Zusätzlich kann Wasser aus der Regenrinne an die Sumpfstelle oder in einen Wassergraben, in dem das Wasser länger steht, geleitet werden.

(Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autorin.)