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Was wächst da?

Schön ist die Wilde Malve alias Käsepappel alias Rosspappel. Bevor ich weiter rumbabbele: Das hat nichts mit der Pappel zu tun, “sondern bezieht sich auf die käselaibförmigen, schleimhaltigen Früchte, aus denen früher Kinderbrei (Papp) zubereitet wurde“ (lt. Wikip.). Klingt ja nicht so appetitlich, da fühle ich mich gleich „pappsatt“! 


Diese Malve gehört zu den schon in der Antike genutzten Pflanzen, z.b. u.a. als Gemüse, Heilpflanze gegen Husten und Stiche von Insekten. Sie wurde viel in Klöstern angebaut. 


Warum sie auch „Pissblume“ genannt wird? Vielleicht kommt das vom Aberglauben, mit ihr einen „Fruchtbarkeitstest“ machen zu können. Man goss den Urin einer Frau über die Malve, war die Malve nach drei Tagen nicht verdorrt, konnte man mit Kindern rechnen. Achtung: Das erklärt nicht den Anbau in Klöstern! Das war eine Anordnung von Karl dem Großen!

Was wächst da?

Ein edler Name: Königskerze. Muss man sich erst mal verdienen. Die Pflanze wurde oft, mit Pech und Harz bestrichen, als Fackel verwendet. Und hat vielleicht Königen als Kerze gedient.

Ich finde besonders die Schwarze Königskerze wunderschön. Welch eine Blüte! Apropos blühen: Es blühte einem Verstorbenen das Fegefeuer, wenn eine Königskerze auf dem Grab wuchs. Sagt eine Volksmär.

Die Samen sind giftig. Und wenn man die Fischen gibt, dann sind die betäubt und lassen sich leichter fangen. Meinte zumindest Aristoteles. Viele Mythen gibt es zur Pflanze. Noch eins: Wer sie ausreißt, wird vom Blitz erschlagen, heißt’s in Bayern. Jo mai, selba Schuid! 

Was wächst da?

Bald ist es soweit, dass es im Schaugarten grünt und blüht. Z.B.:

Muskatellersalbei – eine schöne heimische Pflanze. Nicht nur ich schätze sie, sondern geschätzt aber- und zigtausende von Bienen. Und das ätherische Öl ist ein wahrer Schatz! Wahr ist aber eher nicht, daß Aphrodite der Pflanze den Duft schenkte. Sie soll sich vor Zeus unter einem Salbeistrauch versteckt haben. 


Wahr ist aber schon, dass in der griechischen und römischen Antike Blüten und Blätter gegen Kopfschmerzen gegessen wurden. Seltsam, denn wenn dieser Salbei Wein oder Bier zur Verbesserung des Geschmacks zugefügt wurde, gab es einen enormen Kater.


Was man der Pflanze so alles zuschrieb: (viel)leicht aphrodisierend, leicht euphorisierend, angstlösend, krampflösend, wer weiß. Wie auch immer: Bitte lassen Sie die Pflanzen im Schaugarten stehen. Aber pflanzen Sie ihn doch auch in Ihren Garten. Schon der Anblick ist euphorisierend. 

Ja, was ist das denn?

Der Schmetterlings-Porling (-Tramete) ist sicher ein Kosmopolit, so weit verbreitet wie er ist. Dagegen bin ich ein lächerlicher Endemit. 


Dieser Pilz hat ein tolles Farbspektrum. Er zersetzt hauptsächlich totes Holz. Zum Verzehr ist er nicht geeignet, er gilt aber in der traditionellen chinesische Medizin als Heil- und Vitalpilz. Er soll das Immunsystem stärken, wird gar als Krebsmittel gepriesen und in v.a. Japan massiv gekauft. Ich bin da skeptisch, habe dazu nur von einer kleinen Studie gelesen. Schade, schade, wenn das viele Hoffnungen weckt und noch nicht einmal richtig gut wissenschaftlich untersucht ist. Wobei: Zutrauen würde ich dem Pilz und Pilzen allgemein schon viel. Und nicht nur Berauschendes und Vergiftungen. 😉 

Ja, was ist das denn?

Das Judasohr: ein mythologisch – mykologischer Exkurs.

Zuerst einmal: Judas tut mir leid, er hatte eine vorbestimmte, nicht von ihm gewählte Rolle zu erfüllen. Auch Judas tat sein Verrat leid. So sehr, dass er sich an einem Holunder erhängt. Und hier kommen mir botanische Bedenken: Holunder bricht leicht, das dürfte jeder, der ähnliches wie Judas versuchte, bestätigen können.

Und meine weiteren Bedenken? 1. Das Judasohr ist ein guter Speisepilz. Aber kann Gott wollen, dass man Ohren isst? 2. Was muss Judas für ein Hautkolorit gehabt haben, die Ohren sind ja seltsam gefärbt. 3. Am Holunder wachsen oft viele Judasohren, Judas hatte aber nur zwei. Zumindest ist eine andere Anzahl nicht überliefert. Ich kann das nicht klären, sorry. Vielleicht haben Sie ja eine Idee dazu? 

Das Judasohr findet man (noch) nicht im Schaugarten, vielleicht, wenn unser Holunder älter wird.