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Olympiareif!

Ich bin ja manchmal sprunghaft, aber dieses Insekt übertrifft alles. Obwohl die Braune  Weidenschaum-Zikade nur 9 – 11 mm groß wird, kann sie bis zu 70 cm hoch springen, also grob gerechnet das 70-fache ihrer Körperlänge. Um ähnlich sportlich zu wirken müsste ich fast 129 m hoch springen. Wie das so aussieht, werde ich da noch ordentlich üben müssen.
Diese Zikade, genauer gesagt deren Larve, die kann noch etwas, was ich nicht kann. Sie saugt Pflanzensaft (was ich mir noch zutrauen würde), macht aber zudem mit dem Po und einer eiweißhaltigen Flüssigkeit, in die sie rhythmisch mit dem Po Luft eingepumpt und ordentlich Schaum, in dem sie sich dann versteckt.
 
Zugegeben: Ich kann das nicht, aber ganz sicher will ich das auch nicht können. Auch lehne ich jegliche Versuche dazu ab! Dann trainiere ich doch lieber weiter am 129 m Hochsprung!
 
Übrigens: Das Weiße im Bild ist eine Seite meines Buchs. 

Hier ein Ungetier?

Hat das Insekt Augen oder nur eine sehr gute Nase? Erst auf den Fotos erkenne ich genauere Einzelheiten. Und meine Bestimmungs-App sagt sehr bestimmt: „Bestimmt Chrysoperla carnea!“ Der Volksmund würde sagen: Blattlauslöwe! Ui! Ich rufe laut: „Der Löwe, der Löwe, der Löwe ist los!“ und ernte verständnislose Blicke. Aber das wäre ja auch so, wenn ich „Die Larve der Florfliege ist los!“ rufen würde.

Wenn dieser Minilöwe u.a. gewaltige Mengen an Blattläuse, Spinnmilben, Raupen, Woll- und Schmierläusen frisst, sollte ich mir dann Gedanken um die Hygiene auf meinem Tischchen machen? Just in dem Moment fällt ein Blatt vom Baum über mir auf mich. Aha, denke ich, aha, dann kommt wohl alles Gute von oben!

Mit Keulen?

Der Hintern verrät sie. Ganz gelb ist er von Pollen. Den gelben Po hat sie sich geholt, als sie ein Ei in das Pollenpaket einer Wirtszelle gelegt hat, meist in die von Mauer- oder Scherenbienen. Andere Keulenwespen haben oft die gleiche Idee und legen auch ein Ei in das gleiche Loch. Wenn die erste Larve schlüpft, dann wird es mörderisch, denn die frisst die anderen Wespeneier, dann das Wirtsbienenei, das innerhalb von etwa 6 Tagen aussaugt wird. Und als Nachtisch frisst sie auch noch den Pollenvorrat. Ich möchte der Keulenwespe in meinem besten Englisch zurufen: „LET IT BEE!“. Übersetzt in etwa heißt das: „LASS ES MIT DER BIENE!“, wohlwissend, dass niemand auf mich hört.
Diese Wespenart wir bis zu 12 mm groß, ist schwarz gefärbt und hat am Hinterleib gelbe Flecken. Also solche, die nichts mit ihrer hinterhältigen Aktion zu tun haben. Jetzt, da ich mir das eingeprägt habe, werde ich diese ohnehin häufigere Art bestimmt häufig erkennen!
Keulenwespe heißt das Insekt übrigens, weil die Fühler am Ende keulenförmig sind.

Gläubiges Insekt?

Dass Insekten in Sekten sind, das sollten Sie mir nicht glauben. Aber Gelbe Schlupfwespen zeigen ein seltsames, ja fast religiöses Verhalten. So finden sich viele Weibchen der Art in vielen Sommern z.B. in der Wallfahrtskirche auf dem Peißenberg, in der Pfarrkirche Schmidmühlen und in der Wallfahrtskirche am Mausberg. 
 
Des Rätsels Lösung: Dieses Insekt macht gerne eine “Sommerpause“ in kühleren und höheren Lagen, da bieten sich manche Kirchen an! Die Geschichte von einem gläubigen Insekt würden Sie mir, glaube ich, ohnehin nicht glauben. 
 
Aus menschlicher Sicht „Unmenschliches“ macht die Schlupfwespe: Sie befällt die Raupe des Nachtfalters Amblyteles armatorius (auch Hausmutter genannt) und legt der ein Ei in den Körper, aus dem Ei reift dann in der Raupe die neue Schlupfwespe heran. Unchristlich! 
 
Übrigens: So gefährlich wie sie aussieht ist sie nicht. Sie sticht uns nicht!

Hier ein Rüsseltier

Es ist keine Kleinigkeit, so ein Kleingetier bis auf das kleinste Detail zu fotografieren. Aber es ist Jack Simon perfekt gelungen. Er kündigte das Bild mit den Worten an „Ich hab‘ ein Rüsseltier für dich, das stand auf der Wasseroberfläche!“ Ich dachte folglich zuerst an einen Elefanten auf z. B. einem See. Und dass Jack mir eine Bären aufbinden will!

Aber statt einer Collage erblickte ich einen ca. 3,2 mm großen Rüsselkäfer. Der war irgendwie in Jacks Vogeltränke gelangt und die Oberflächenspannung bewahrte ihn vor dem Untergehen, was anderen Rüsseltieren wie dem Afrikanischen oder Asiatischen Elefanten weit schlechter gelingt. Er habe ihn, nach ausgiebigen Fotografien, vor dem Ertrinken in der Tränke gerettet.

Der Käfer heißt “Marshams Kleinrüssler“, benannt nach Thomas Marsham (1748 – 1819), einem britischen Insektenforscher, was ein bisschen schade ist, denn es hätte mich gefreut, wenn Jack ihn zuerst entdeckt hätte und der Käfer dann, vielleicht mit Wasser aus der Vogeltränke, getauft worden wäre mit dem Namen “Jacks Kleinrüssler“, was zugegeben allerdings befremdlich klingt.

Aber Jack bleibt dran mit seinem Makroobjektiv am Mikrokosmos. Und vielleicht entdeckt er ja noch was Unentdecktes, das wir nach ihm benennen können!