Archiv der Kategorie: Pflanzenportraits

Frühlingsbotin

Fetthenne, Kälberkropf, Teufelsabbiss, es gibt schreckliche Namen für Pflanzen. Das heimische Kleine Schneeglöckchen hat es besser erwischt. Und es ist ein wunderschöner Vorfrühlingsbote. Manchmal streckt die Staude gar ihre Blüten aus dem Eis und Schnee. Ganz unverfroren! 😉

Nektar und Pollen spendiert die Blume wenig, aber als frühe Nahrungsquelle ist sie wichtig für Insekten wie Wildbienen und Schmetterlinge. Nahrung finden auch die Ameisen, denn die Samen sind mit Appetithäppchen versehen. Die Ameisen nehmen diese Snacks mit und verbreiten so die Samen.

Ein Extrakt aus dem Blümchen ist das Gelantamin, der Stoff soll den Demenzverlauf verlangsamen. Aber selbst einen Stoff gegen das Vergessen zu produzieren, das sollten Sie vergessen. Das Kleine Schneeglöckchen ist geschützt und giftig.

Herrlichste Herlitze!

Ich traf mich mit Gerold Baring Liegnitz im Naturschaugarten. Der sehr erfahrene Naturgärtner geriet ins Schwärmen bei unserer Kornelkirsche (Herlitze).

Ich: „Lieber Gerold, warum magst Du diesen Strauch?“

Gerold: „Die Herlitze ist ein herrlicher Frühblüher. Jetzt sind massig Bienen dran. Dann hat sie im Herbst wunderbare Früchte, am besten warten, bis sie runterfallen, dann sind sie meist auch recht mild oder gar süß. Es gibt auch wunderbare Sorten mit großen Früchten.

Manchmal ist sie ein bisschen eigenwillig, will nicht so wie man will, wächst zu langsam, will nicht so richtig blühen, aber irgendwann, wenn man sie lässt, wird sie ein herrlicher Strauch, so wie im Naturschaugarten Lindenmühle.“

Ich: „Danke Gerold, dann sind wir mal gespannt, wieviel Früchte es diese Jahr gibt!“

Was blüht denn da?

Ein ausladend großer Haselnussstrauch steht einladend an einem Eingang in den Schaugarten.

Haselnüsse sind wegen hohem Vitamin-E-Gehalts gut für die Haut. Auch sollen sie aphrodisierend sein. Hildegard von Bingen schimpfte über die Hasel als ein Sinnbild der Wollust. Was soll’s, ich nehme diese Nebenwirkung in Kauf.

Durch den Klimawandel blüht die Hasel immer früher. Der Wind bläst die Pollen überall hin. Ein einziges Kätzchen (männliche Blüte) produziert etwa 2 Mio Pollenkörner. Die sind bei der Honigbiene beliebt, aber gehasst von Allergikern. Auf dem Bild sieht man weibliche (rot, in der Bildmitte) und männliche Blüten.

Um die Hasel gibt es in vielen Kulturen magische Geschichten. Sie ist Friedens-, Glücks- und Fruchtbarkeitssymbol, würde gegen Blitze und bösem Zauber helfen. Außerdem würden unterschiedliche Teile der Hasel bei unterschiedlichen Erkrankungen unterschiedlich gut helfen.

Natürlich freut sich auch die Natur über Haselnüsse. Den Rabenvögeln, den Mäusen, Bilchen und Eichhörnchen bin ich aber kein ernsthafter Konkurrent beim Nüsseverzehr.

Gallengedicht

Es ist nicht nötig, dass uns allen die Gallen gefallen, doch meist hat man’s ohnehin verpennt, dass man überhaupt erkennt, was das ist, und wer da sich in Pflanzengeweben eben mal frisst, sticht, beißt, und was das für die Pflanze heißt, nämlich, wie dämlich: Ich bin verletzt und auch entsetzt. Ich wucher‘ jetzt die Wunde zu. Dann hab ich bald schon wieder Ruh‘.

Verursachen kann das eine Wespe, Fliege, Milbe, Laus und das sieht dann ganz verschieden aus. Wie es wuchert, das ist gar sehr bizarr, in vielen Formen ohne Normen, und enden meist mit „-ig“, z.B. kugelig, schwulstig dick, farbig, manchmal pustelig und meist auch schick. Die Wucherung umschließt dann oft den Nachwuchs vom Insekt, der darin steckt, bis den der Frühling weckt.

Diese Wucherungen hat die Lindengallmilbe gemacht. Ist ja ganz schick, hab ich mir gesagt. Und der Linde schadet es nicht auf lange Sicht.

Der Hut eines Kardinals?

Wenn man sich mit heimischen Pflanzen beschäftigt, hat das oft ungeahnte Folgen. So muss ich, seitdem ich davon gelesen habe, beim Anblick von Kardinälen immer an die Pflanze „Pfaffenhütchen“ denken. Nicht nur ich behaupte, dass die Mützen (Biretts), welche die Häupter dieser Kirchenoberhäupter bedecken, ungewöhnliche Ähnlichkeiten mit den Früchten des Gewöhnlichen „Pfaffenkapperls“ haben.

In der (für mich nicht nachvollziehbaren) Signaturenlehre weisen Form und Farbe einer Pflanze als Hinweis der Natur (bzw. Gott) darauf hin, bei welcher Krankheit man welche Pflanze nutzen kann. Das stellt mich vor ein Rätsel: Was will Natur (bzw. Gott) mit der großen Ähnlichkeit der giftigen Pfaffenhütchen mit den Hütchen von Kardinälen ausdrücken? Fragen über Fragen, ich habe keine Ahnung!

Ich weiß nur: Die Pflanze ist wunderschön, der Nektar lockt viele Insekten an, und Drosseln und Rotkehlchen genießen unbeschadet das Fruchtfleisch um die Samen. Wir können das jedoch nicht essen, da können Sie Gift drauf nehmen!