Archiv der Kategorie: Pflanzenportraits

Himmelsschlüssel?

Echt jetzt?! Die Echte Schlüsselblume nennt sich auch Himmelsschlüssel? Prompt fällt mir der verstorbene Papst Franziskus ein. Obwohl mir nicht alle Zugangsberechtigungen in den Himmel bekannt sind, wird er vermutlich keinen Schlüssel brauchen.
Generell ist davon abzuraten, sich den „Himmelsschlüssel“ durch Pflücken oder Ausgraben zu besorgen. Es ist zwar keine Sünde, aber streng verboten.

Die Blume ist Futter für mehrere Raupen u.a. bedrohter Schmetterlingsarten. An den Nektar gelangen nur langrüsselige Insekten. Manche Bienen und Hummeln haben aber einen Trick: Sie beißen seitlich in die Blüte, um vom Nektar zu naschen.

Wenn Sie im sonnigen Garten einen kalkhaltigen, stickstoffarmen, humosen Boden haben, werden Sie mehrere Jahre Spaß an der Blume haben. Und sie sät sich natürlich selbst aus. Die Schöne!

Riecht nach Knoblauch?

TATA! Das ist das älteste bei uns verwendete Gewürz: die Knoblauchrauke. Woher man das weiß? Weil vor 4000 Jahren irgendwer mal wieder die Kochtöpfe nicht richtig spülte und sich 2013 Wissenschaftler über diese Entdeckung total freuten! Ich werde besser auch nicht spülen, irgendwann wird es einen Forscher beschäftigen!

Die Blätter schmecken nach Knoblauch, die mögen auch verschiedene Raupen (v. Aurorafalter, Waldbrettspiel, Achateule, Grünader-Weißling). Die reifen Samen schmecken nach Pfeffer.

Außer an Wegrändern begegnet man der Knoblauchrauke bzw. den jungen Blätter in England. Man findet sie dort öfters im Sandwich. Ich werde das überprüfen.
Auf dem Bild holt sich ein Wollschweber gerade leckeren Nektar, der im Abgang vermutlich knoblauchig schmeckt.

Die Harten in den Garten?

„Nur die Harten kommen in den Garten!“ Manchmal wird dieser Spruch auch auf Menschen bezogen. Da empfinde ich das als schlimmen Sozialdarwinismus.

Für Pflanzen passt der Spruch, denn es macht Sinn, widerstandsfähige und ausdauernde heimische Pflanzen im Garten zu haben. Das seltene und gefährdete Felsen-Fingerkraut zählt für mich zu den „Harten“, verträgt es doch nährstoffarme, halbtrocken und sandige bis lehmige Standorte.

Da ist die Pflanze so „hart“ im Nehmen, und wird vermutlich trotzdem (regional) aussterben, weil solche Standorte verschwinden durch Bebauung oder „Pflanzenschutzmittel“ oder Überdüngung. Das ist sogar für „die Harten“ zu hart.

Vielleicht geben Sie der Pflanze eine Chance an oder in einer Hecke oder auf einer eher kargen Fläche. Sie wächst gerne beim Blut-Storchschnabel. Und – ist einfach schön!

Unscheinbare Vogelmiere

Die Vogelmiere ist weltweit verbreitet. Weltweit verbreitet ist auch die Unkenntnis über dieses „Unkraut“. Dabei vermindert es Austrocknung und Erosion der Böden. Und es soll eine Heilpflanze sein, Schmerzen in Gelenken lindern und obendrein gut nach Mais schmecken. Man mag das Kraut in Suppen, Pestos oder Quark.

Probiert habe ich die Vogelmiere nicht. In mir sträubt sich da etwas, da die Pflanze auch „Hühnerdarm“ genannt wird. Obwohl das nur etwas mit dem gewundenem Stängel zu tun hat.

Gesund soll die Pflanze sein. 50 g Salat davon würden den täglichen Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen decken. Das obendrein enthaltene Saponin könne niedrigen Blutdruck erhöhen, Entzündungen und Cholesterin senken und das Immunsystem stärken. Aber von 50 g wird abgeraten. Warum? Weil Saponine Seifenstoffe sind und man dann überschäumt? Nee nee. Es wirkt sich aber bei einem Zuviel schlecht auf die roten Blutkörperchen aus. Also: alles mit Maß!

Und noch ein Frühblüher

Als botanischer Laie bin ich überrascht, dass Krokusse zu den Schwertliliengewächsen gehören sollen. Was soll’s!

Als Frühblüher sind sie wichtig für Insekten. Und natürlich für das Auge des Betrachters! Auf dem Bild zu sehen ist vermutlich der Elfen-Krokus, massenhaft zu finden im Biebricher Schlosspark. Der orangefarbene Stempel erinnert an Safran. Aber der ist eine andere Züchtung, wächst nicht bei uns und blüht im Herbst. Die Narbenfäden des Safrans ergeben das teuerste Gewürz der Welt.

Man sagt, dass die orangefarbenen Narben vom heimischen Krokus mitunter Amselmännchen in der Balzzeit reizen. Es reißt sie dann aus. Man nimmt an, dass die Fäden an die gelben Schnäbel der Konkurrenten erinnern. Ich bin der Meinung, dass der Vogel einen Vogel hat!