Arbeitskreis Naturnahes Grün

Mitglied in der Lokalen AGENDA Mainz

Logo AK Naturnahes Grün

  • Naturschaugarten Lindenmühle in Mainz
  • Ein Artenschutzprojekt
  • von Bürgern für Bürger

Erdrauch – eine mystische Pflanze

Spannend ist der Erdrauch. Arabische Ärzte verwendeten ihn schon vor Christus. Später nutzte man die Heilpflanze auch in Klöstern. Und da sicher nicht nur für die Verdauung. Man verbrannte das Kraut und es entstand ein beißender Rauch, mit dem man so richtig gut Dämonen austreiben konnte. 
 
Kelten und Germanen nannten die Pflanze gar Elfenrauch. Man glaubte über den Rauch mit Verstorbenen reden zu können. Auch dachte man, der Rauch mache unsichtbar und das „Böse“ könne einem so nicht finden. 
 
Auch wenn heute noch selbsternannte Schamanen und Yogis mit dem Kraut räuchern, wird wohl nicht mehr damit exorziert. Das hoffe ich wenigstens!

Spannender Spanner

Ihn lassen Sie bestimmt gerne „auf den Leim gehen“. Denn der Gr. Frostspanner macht große Fraßschäden.
 
Doch weder dessen Raupen noch fertige Falter werden Sie auf Leimringen an Bäumen finden, wohl aber das flügellose Weibchen, das total anders als der männliche Falter aussieht. Hat das Weibchen es doch im Oktober krabbelnd auf den Baum geschafft, verströmt es einen Duft, auf den der männliche Falter „fliegt“. „Danach“ werden üppig viele Eier abgelegt, im Frühjahr schlüpfen Raupen, die sich schon mal bei Gefahr abseilen, sie klettern aber auch wieder am eigenen Faden hoch, den sie dann auffressen. Leider ja nicht nur den. 

Spannende Feinde gegen den Spanner sind Schlupfwespen, Raupenfliegen, bestimmte Käfer und Vögel. 
 
Gesehen hab` ich den spannenden Spanner noch nicht im Naturschaugarten.

Erste „Mäh“-Arbeiten

Nur leise war das Mähen im Schaugarten zu hören. Nein, das waren keine Balkenmäher, keine Motorsensen, keine Rasentrimmer, keine Freischneider. Nee nee, das waren ganz konventionelle Mäharbeiter: Schafe! 
 
Während bei Menschen manchmal die Füße riechen, riechen die Füße der Schafe tatsächlich! Denn außer in der Nase haben Schafe Geruchsdrüsen zwischen den Hufen (lt. Süddeutscher Zeitung, 26.8.2021). 
 
Diese Fähigkeit ist dem Menschen nicht gegeben. Schade! Denn dann würde ja manch Schweißfußbesitzer mehr gegen körpereigene Emissionen unternehmen!

Unheimlich

Schlupfwespen sind artenreich und schwer zu bestimmen. Vermutlich ist das eine Holzwespen-Schlupfwespe. Das Weibchen ist ca. 35 mm lang. Das längste an ihr ist wohl der Legebohrer. Nachdem das Insekt durch Geruch von mit Holzwespen befallenen Bäume gefunden hat, bohrt es durch das Holz bis zur Wirtslarve, lähmt mit einem Gift dauerhaft die Larve, legt dann ein Ei darauf. Die geschlüpfte Parasitenlarve verankert sich mit sichelartigem Mundwerkzeug und ernährt sich vom Körpersekret der Wirtslarve. Nach 5 Wochen spinnt sie sich ein, überwintert und schlüpft im Frühjahr. Und macht wieder abenteuerliche Schädlingsbekämpfung!

Ein Rätsel

Manches Geheimnis erschließt sich mir erst spät. Das Bild stammt von 2016. Erst Jahre danach verstehe ich, was das war: die Nester des Eichen-Zangenbocks. In geschädigten oder gefällten Eichen hatten sich unter der Rinde dessen Larven kurz vor der Verpuppung aus grob genagten Spänen eine „Puppenwiege“, so nennt sich das, gebaut und sich dort zu fertigen Käfern verpuppt. Und dann das erste Mal Tageslicht gesehen. Danach aber ist das Leben der Käfer nur kurz: noch etwas Blüten und Pollen verzehren, fortpflanzen, Eier in Holzritzen ablegen und sterben. Wenn ich das nächste Mal so etwas entdecke, weiß ich um das ganze Glück und Drama des Zangenbocks.