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Bahnt sich hier ein Drama an?

Seltsam, bei einem Drama so direkt dabei zu sein. Die Wespenspinne lag bestimmt schon lange auf der Lauer. Und dann verfing sich ein Distelfalter unter ihrem Netz. Sollte ich eingreifen, das Netz zerstören, den Falter befreien? Meine ganze ethische und moralische Einstellung half mir nicht wirklich.

Die Spinne näherte sich, der Falter machte zittrige kleine Bewegungen. Gleich würde es passieren. Mit einer Handbewegung scheuchte ich den Schmetterling auf, ohne das Netz zu zerstören. Und der Falter entkam tatsächlich mit viel Mühe aus dem Netz!

Nicht selten gelingt solch eine Flucht, denn Falter verlieren dann Schuppen und kleben so nicht so schnell fest.

Von Spinnen weiß ich, dass sie lange Hungerphasen überstehen. Die Distelfalter haben dagegen viele Anstrengungen vor sich: Sie fliegen im Oktober über die Alpen in wärmere Regionen, um zu überwintern. Viele deutsche Rentner haben sich dieses Verhalten abgeschaut, jedoch mit dem kleinen Unterschied: Sie lassen sich fliegen!

(Das Beinah-Drama spielte sich an einem Schmetterlingspfad in Nordhessen ab).

Distelfalter – ein ganz Edler

Dieser Schmetterling aus der Familie Edelfalter ist würdiges Mitglied dieser Familie, sieht er doch gar an den Flügelunterseiten wunderbar aus. Das Foto aus dem Naturschaugarten zeigt ihn auf der Acker-Witwenblume. Die Pflanze heißt im Volksmund auch Grind- oder Krätzkraut, was auf die frühere Verwendung hinweist.

Doch zurück zu unserem Schmetterling: Er ist ein Wanderfalter. 2009 war ein außergewöhnliches Jahr, den zu Abertausenden wanderten Distelfalter aus dem Süden ein. Das tun sie zwar immer, aber damals in ungewöhnlicher Zahl. Ausgangspunkt für die Wanderung ist Nordafrika. Dort fliegen sie im späten Winter los, legen Eier im West- und Südeuropa ab, wo im April eine neue Faltergeneration entsteht. Und dann geht es weiter nach Mitteleuropa.

Manche schaffen gar einen „Direktflug“ von Nordafrika oder den Kanaren. 3 – 4000 km, eine Wahnsinnsleistung! Dabei finden allerdings auch viele den Tod vor Erschöpfung, wegen Unwetter, usw. Manche der Tiere fliegen gar weiter bis Finnland, Großbritannien oder gar Island. Respekt!